Zum Hauptinhalt springen
Wechseltraining Triathlon in Fuerteventura

Was mache ich, wenn ich keine Lust auf Training habe?

Was mache ich, wenn ich keine Lust auf Training habe?

Was mache ich, wenn ich keine Lust auf Training habe?

Wenn du dich grundsätzlich gesund und belastbar fühlst, aber einfach keine Lust hast, kann ein kurzer, lockerer Einstieg helfen. Du musst dich gedanklich noch nicht zur ganzen Einheit verpflichten. Fühlst du dich dagegen krank, ungewöhnlich erschöpft oder hast Beschwerden, ist Durchhalten nicht die richtige Antwort.

Als Coach möchte ich verstehen, was hinter deiner fehlenden Lust steckt.

Keine Lust bedeutet nicht automatisch fehlende Disziplin

Nach einem anstrengenden Arbeitstag kann schon der Gedanke an Training zu viel sein. Gleichzeitig lässt sich aus diesem Gefühl allein nicht sicher erkennen, ob dir Bewegung guttun könnte oder ob du tatsächlich Erholung brauchst.

Deshalb möchte ich wissen: Wie war dein Tag? Wie hast du geschlafen? Wie haben sich die letzten Einheiten angefühlt? Ist das heute eine Ausnahme oder zieht sich die Müdigkeit schon länger hin?

Ein Trainingsplan kann diese Fragen nicht selbst beantworten. Dafür brauchen wir den Austausch zwischen Athlet und Trainer.

Manchmal ist das Anziehen der Laufschuhe die größte Hürde

Bei gewöhnlicher Unlust schlage ich gerne vor: Fang erst einmal ganz locker an und beobachte, wie du dich fühlst.

Beim Laufen können das ungefähr zehn Minuten in einem angenehm leichten Tempo sein. Du sollst dabei nichts beweisen und auch nicht versuchen, dich durch ein besonders schnelles Tempo wach zu machen.

Manchmal merkst du nach dem Einstieg, dass vor allem das Losgehen schwierig war. Die Bewegung fühlt sich angenehm an, und du kannst die Situation neu beurteilen.

Die zehn Minuten sind dabei eine praktische Orientierung. Sie sind kein medizinischer Test und keine Garantie, dass du für eine harte Einheit bereit bist.

Wenn es sich schlechter anfühlt, hörst du auf

Fühlst du dich beim lockeren Einstieg zunehmend müde oder bleibt die Belastung ungewöhnlich schwer, brichst du ab und gibst mir Bescheid. Du musst die zehn Minuten nicht vollmachen, wenn du schon vorher merkst, dass etwas nicht stimmt.

Bei Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl oder ungewöhnlichen Beschwerden gilt diese Einstiegshilfe ohnehin nicht. Dann steht die Erholung beziehungsweise eine medizinische Abklärung im Vordergrund.

Für mich ist ein solcher Abbruch eine wichtige Rückmeldung. Ich möchte wissen, wie es dir tatsächlich geht – nicht nur, ob auf deiner Uhr am Ende die geplante Dauer steht.

Wiederkehrende Unlust verdient Aufmerksamkeit

Wenn du über längere Zeit kaum noch gerne trainierst, reicht die Aufforderung „Überwinde dich!“ nicht aus. Dann müssen wir genauer hinschauen.

Vielleicht passt der Umfang gerade nicht zu deinem Alltag. Vielleicht fehlt Abwechslung oder die Freude am gemeinsamen Training. Vielleicht brauchst du mehr Erholung. Auch das sportliche Ziel selbst dürfen wir hinterfragen: Möchtest du es noch verfolgen, oder fühlt es sich inzwischen hauptsächlich wie eine Verpflichtung an?

Wie wir deine Rahmenbedingungen berücksichtigen, erfährst du im Beitrag über Training, Beruf und Familie.

Was ich von meinen Athleten brauche

Sag mir möglichst konkret, was du wahrgenommen hast: War nur der Anfang schwierig? Wurde es unterwegs leichter? Oder hast du dich mit jeder Minute schlechter gefühlt?

Mit diesen Informationen können wir sinnvoll entscheiden, ob der Plan weiterhin passt oder verändert werden sollte.

Mein Ziel ist, dass du langfristig gerne und verlässlich trainieren kannst. Dazu gehört manchmal, anzufangen. Dazu gehört genauso, rechtzeitig aufzuhören.

Mehr über diese Zusammenarbeit findest du beim individuellen Triathlon-Coaching.

Zurück zu Triathlon-Wissen – Frag Bennie

Weiterlesen

Fokussiert auf laufen

Muss ich hart sein, um Triathlon zu machen?

Muss ich hart sein, um Triathlon zu machen?

Muss ich hart sein, um Triathlon zu machen?

Nein. Du musst kein besonders harter Mensch sein, um mit Triathlon anzufangen. Du brauchst ein zu dir passendes Ziel und die Bereitschaft, dich Schritt für Schritt darauf vorzubereiten. Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit kann auf diesem Weg wachsen.

Wenn Härte bedeutet, jede Belastung ungeachtet der eigenen Voraussetzungen durchzuziehen, hilft sie dir wenig. Entscheidend ist, was du über längere Zeit sinnvoll aufbauen kannst.

Ein großes Ziel kann am Anfang unvorstellbar wirken

Wenn du einen Ironman im Fernsehen siehst, erscheint die Distanz vielleicht unmöglich. Das ist verständlich. Du vergleichst in diesem Moment deinen heutigen Stand mit einer Leistung, auf die andere sich lange vorbereitet haben.

Du musst diese Leistung aber nicht morgen erbringen. Am Anfang stehen Einheiten, die zu deinen jetzigen Möglichkeiten passen. Vielleicht sind sie kurz und leicht. Genau dort beginnt der Aufbau.

Und dein Ziel muss keineswegs ein Ironman sein. Auch ein erster kurzer Triathlon kann eine große persönliche Herausforderung darstellen.

Vertrauen entsteht durch eigene Erfahrungen

Du absolvierst eine Einheit und merkst: Das habe ich geschafft. Nach und nach kommen weitere Erfahrungen dazu. Eine Strecke fühlt sich vertrauter an, du kannst Bewegungen besser einschätzen und traust dir den nächsten Schritt zu.

So wächst die Zuversicht, auch die nächste geplante Aufgabe bewältigen zu können. Du musst dir diese Sicherheit nicht vorher einreden. Du sammelst sie im Training.

Für mich liegt darin ein wichtiger Teil der mentalen Entwicklung: Ein großes Vorhaben wird durch viele überschaubare Schritte greifbar.

Willenskraft ersetzt keine Vorbereitung

Natürlich gibt es im Training und im Wettkampf anstrengende Momente. Ausdauer und die Bereitschaft, sich einer Herausforderung zu stellen, gehören dazu.

Aber mit Willenskraft allein lässt sich eine fehlende Grundlage nicht ausgleichen. Wenn jede Einheit zum Kampf wird, frage ich als Trainer, ob die Aufgabe überhaupt passend gewählt ist.

Ich möchte, dass du die Belastung verarbeiten kannst und anschließend wieder trainieren kannst. Eine spektakuläre Einheit ist wenig wert, wenn sie den weiteren Aufbau ständig unterbricht.

Deshalb gehört zur Vorbereitung auch, sich zurückzunehmen und dem Körper Zeit zu geben.

Geduld ist eine sportliche Stärke

Geduldig zu trainieren klingt weniger aufregend als „immer alles geben“. In der Praxis verlangt es durchaus Disziplin: eine lockere Einheit locker lassen, Fortschritte nicht erzwingen und akzeptieren, dass die Entwicklung Zeit braucht.

Härte würde ich deshalb eher als die Fähigkeit beschreiben, über längere Zeit an einem sinnvollen Vorhaben dranzubleiben.

Das bedeutet auch, nach einer Unterbrechung wieder einzusteigen oder einen Plan anzupassen. An einem Ziel festzuhalten heißt nicht, jede einzelne Einheit um jeden Preis durchzuziehen. Manchmal ist gerade die vernünftige Pause der nächste richtige Schritt.

Was bedeutet das für dein Training?

Frag dich zunächst: Welche Aufgabe passt heute zu mir? Was kann ich regelmäßig umsetzen? Und welcher nächste Schritt bringt mich meinem Ziel näher?

Als Coach helfe ich dir, diese Schritte zu planen und deine Entwicklung einzuordnen. Wir berücksichtigen dabei auch deinen Beruf, deine Familie und deine verfügbare Zeit.

Du musst am Anfang nicht schon die Eigenschaften mitbringen, die du einem erfahrenen Langdistanzathleten zuschreibst. Du darfst lernen, Erfahrungen sammeln und an Herausforderungen wachsen.

Genau diesen Weg begleite ich im individuellen Triathlon-Coaching: mit passenden Aufgaben, Rückmeldungen und Geduld.

Zurück zu Triathlon-Wissen – Frag Bennie

Weiterlesen

als Coach von Vera F. Birkenbihl habe ich viel lernen können

Vera F. Birkenbihl – was wir voneinander lernten

Vera F. Birkenbihl – was wir voneinander lernten

Manche Menschen bleiben einem besonders in Erinnerung, weil sie die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Vera F. Birkenbihl war für mich so ein Mensch.

Rund drei Jahre lang durfte ich sie als Trainer begleiten. Sie wollte fitter werden, und ich brachte meine Erfahrungen aus Sport und Coaching mit. Schon bald merkte ich, wie viel auch ich aus dieser Zusammenarbeit mitnehmen würde.

Wie wir uns kennenlernten

Der Kontakt entstand über Dr. Ulrich Strunz. Mit Uli war ich häufig laufen und unterstützte ihn bei seinen Laufseminaren in der Betreuung der Teilnehmer. Eines Tages erzählte er mir von einer besonderen Persönlichkeit, die jemanden suchte, der ihr helfen könnte, fitter zu werden.

Ich bekam Veras Telefonnummer, rief sie an und fuhr zu ihr nach Odelzhausen.

Unsere Zusammenarbeit hatte von Anfang an ihre eigenen Regeln. Auch bei der Anrede: Wir nannten uns beim Vornamen, blieben aber beim Sie. Vera beschrieb das als eine Art Zwischending. Es passte zu ihr, selbst bei solchen Gewohnheiten eine eigene Lösung zu finden.

Fragen gehörten zum Training dazu

Vera brachte wenig Erfahrung mit regelmäßigem sportlichem Training mit. Dafür stellte sie viele Fragen. Sie wollte verstehen, warum sie etwas machen sollte und wie sich Bewegung in ihren Alltag einbauen ließ.

Sie trug beispielsweise beim Einkaufen einen Pulsmesser, um herauszufinden, ob das schon als Training zählen könnte. Auch in anderen Alltagssituationen interessierte sie sich dafür, was ihr Puls machte.

Für mich als Trainer war das eine spannende Aufgabe. Dinge, die mir nach vielen Jahren im Leistungssport selbstverständlich erschienen, musste ich neu erklären und aus ihrer Perspektive betrachten.

Welche Bewegung war für sie umsetzbar? Was machte ihr ausreichend Freude, um dranzubleiben? Und welche Veränderungen wollte sie überhaupt in ihren Alltag aufnehmen?

Vera sagte deutlich, wenn sie zu etwas nicht bereit war. Damit konnten wir arbeiten. Ein Plan musste schließlich zu dem Menschen passen, der ihn umsetzen sollte.

Trainingspläne per Fax und handschriftliche Rückmeldungen

Ein großer Teil unserer Zusammenarbeit lief über Telefon und Fax. Ich schickte Vera ihre Trainingspläne, sie schrieb ihre Kommentare von Hand dazu und faxte sie zurück. Oft telefonierten wir zusätzlich.

Diese Rückmeldungen waren für mich wichtig. Ich erfuhr, wie sie die Einheiten erlebt hatte, welche Fragen aufgetaucht waren und was sich im Alltag bewährt hatte. Daraus entwickelten wir die nächsten Schritte.

Wenn wir uns trafen, trainierten wir gemeinsam und machten auch Laktattests. Wir beschäftigten uns mit Bewegung und ihren Ernährungsgewohnheiten. Nach und nach wurde sie fitter.

Heute stehen für die Betreuung ganz andere technische Möglichkeiten zur Verfügung. Das Wesentliche erkenne ich in diesen alten Faxen aber immer noch: Ein Trainingsplan wird durch den Austausch zwischen Trainer und Athlet lebendig.

Manchmal gehörte auch ein Stepper aus England dazu

Die praktische Unterstützung ging gelegentlich über Trainingspläne hinaus. Ich besorgte Vera unter anderem einen Stepper aus England und Nordic-Walking-Stöcke aus Finnland, die hier damals noch kaum verbreitet waren. Auch Trainingskleidung kaufte ich auf ihre Bitte hin für sie ein.

Wenn ich heute alte Vortragsvideos von ihr sehe, muss ich manchmal schmunzeln: Einige dieser Kleidungsstücke erkenne ich wieder.

Das sind kleine Erinnerungen, die mir besonders nahe sind. Sie zeigen, wie persönlich eine Zusammenarbeit werden kann und wie unterschiedlich die Unterstützung aussieht, die jemand gerade braucht.

Was ich von Vera mitgenommen habe

Vera war direkt und stellte Gewohnheiten infrage. Sie konnte Dinge aussprechen, bei denen andere erst lange überlegt hätten, ob man das so sagen durfte.

Manchmal war das ungewohnt. Gleichzeitig erlebte ich einen warmherzigen und empfindsamen Menschen. Diese Mischung faszinierte mich, und ich freute mich auf unsere Treffen.

Wir unterhielten uns längst nicht nur über Training. Vera interessierte sich für Sprachen und Musik. Da ich selbst mehrere Sprachen spreche, fanden wir auch darüber viel Gesprächsstoff. Sie erzählte aus ihrer Welt, ich aus meiner. Mehrmals lud sie mich zu ihren Seminaren ein.

Besonders eindrücklich war für mich der Unterschied zwischen ihrer enormen Energie bei Vorträgen und der Anstrengung, die körperliche Aktivität sie kosten konnte. Wer in einem Bereich Außergewöhnliches leistet, kann in einem anderen ganz am Anfang stehen.

Das hat meinen Blick als Coach erweitert. Ich wollte noch genauer verstehen, welche Voraussetzungen ein Mensch tatsächlich mitbringt und was sich hinter seinem Auftreten verbirgt.

Was diese Begegnung mit meinem heutigen Coaching verbindet

Unsere Zusammenarbeit ging nach etwa drei Jahren zu Ende. Geblieben sind Erinnerungen an viele Gespräche, ungewöhnliche Fragen und gemeinsames Lernen.

Als Triathlon-Trainer begleite ich Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Zielen. Manche sind seit Jahren im Sport zu Hause, andere müssen Bewegung erst in ihrem Leben verankern. Auch ein erfahrener Athlet kann vor einer Aufgabe stehen, bei der er sich unsicher fühlt.

Deshalb möchte ich verstehen, bevor ich plane: Was ist diesem Menschen wichtig? Was traut er sich zu? Wo braucht er Orientierung, und welche Veränderungen ist er bereit mitzutragen?

Die Begegnung mit Vera hat mich darin bestärkt, aufmerksam zuzuhören und meine eigenen Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Ich durfte ihr helfen, körperlich fitter zu werden. Sie hat mir neue Perspektiven auf Menschen eröffnet.

Wenn du erfahren möchtest, wie ich heute Training und persönliche Betreuung miteinander verbinde, findest du im Link hier unten mehr

Weiterlesen

Guenter Böhnke und Bennie Lindberg bei Badwater Ultramarathon 2004

Mit Günter durch das Death Valley

Mit Günter durch das Death Valley

Am Sonntag gewann ich den Gigathlon in der Schweiz. Am Montag saß ich im Flugzeug in die USA, um Günter Böhnke beim Badwater Ultramarathon zu begleiten.

Vom eigenen Wettkampf direkt in die Betreuung eines anderen Athleten: Viel Zeit zum Umschalten blieb nicht. Was folgte, gehört zu den intensivsten gemeinsamen Erlebnissen meines Trainerlebens.

Dabei begann Günters Geschichte lange vor der Hitze des Death Valley. Sie begann mit der Frage, wie er eigentlich leben wollte.

Günter und die Frage, was wirklich zählt

Günter arbeitete als Manager bei einer Bank in Frankfurt. Er verdiente gut, hatte aber auch einen Lebensstil, der viel Geld verschlang. Irgendwann begann er nachzurechnen.

Eine seiner Überlegungen ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Ob er eine Flasche Wein für 150 Euro oder für 20 Euro trank – als gelegentlicher Weintrinker konnte er den Unterschied nach eigener Aussage gar nicht zuverlässig beurteilen. Wenn wenig Zeit und viel Geld vorhanden waren, lag allerdings der Gedanke nahe, dass die teurere Flasche auch den größeren Genuss bieten müsste.

Günter stellte solche Gewohnheiten infrage. Er rechnete aus, was er gespart hatte und wie viel er tatsächlich zum Leben brauchte. Dann reduzierte er seine Ausgaben und ermöglichte sich einen frühen Ausstieg aus dem Berufsleben.

Die gewonnene Zeit füllte er mit Erlebnissen. Zunächst segelte er allein um die Ostsee. Später kamen die Ultraläufe dazu. Badwater und Spartathlon wurden zu Zielen, die ihn beschäftigten.

Mich faszinierte an ihm diese Bereitschaft, aus seinen Überlegungen Konsequenzen zu ziehen. Er hatte sich gefragt, was ihm wichtig war – und sein Leben entsprechend verändert.

Vorbereitung auf eine andere Welt

Beim Badwater warteten rund 217 Kilometer auf ihn, vom Death Valley bis hinauf zum Whitney Portal. Schon die Strecke war eine gewaltige Aufgabe. Dazu kam die Hitze.

Zur Vorbereitung vor Ort fuhren wir zeitweise ohne eingeschaltete Klimaanlage durch das Death Valley. Besonders Günter wollte sich an die Bedingungen gewöhnen, unter denen er später laufen würde.

Wenn ich daran zurückdenke, spüre ich fast wieder diesen heißen Wind. Abends saßen wir vor dem Rennen auf der Terrasse, ein eiskaltes Bier in der Hand. Die Luft fühlte sich an, als würde uns jemand einen Föhn ins Gesicht halten.

Die Landschaft war beeindruckend. Gleichzeitig wurde uns sehr deutlich, dass wir unsere Kräfte gut einteilen mussten. Das galt für Günter genauso wie für uns Betreuer.

Auch das Betreuungsteam braucht Betreuung

Bei einem so langen und heißen Wettkampf wird schnell deutlich, wie wichtig ein funktionierendes Team ist. Wenn die Betreuer nicht mehr können, bekommt auch der Läufer ein Problem.

Wir mussten deshalb selbst regelmäßig trinken und essen und möglichst viel Zeit im Schatten oder im Auto verbringen. Die Begeisterung durfte uns nicht dazu verleiten, unsere eigenen Kräfte zu vergessen.

Das klingt einfach. Wenn man aber ständig auf den Athleten achtet und die nächste Aufgabe schon wartet, geraten die eigenen Bedürfnisse leicht in den Hintergrund.

Für mich gehört deshalb zur guten Betreuung auch, die Arbeitsfähigkeit des Teams zu erhalten. Nur wer selbst noch aufmerksam und handlungsfähig ist, kann einem erschöpften Athleten zuverlässig helfen.

  • Bennie Lindberg und Günter Böhnke am Start des Badwater Ultramarathons

  • Bennie Lindberg als Supporter für Günter Böhnke Badwater Ultramarathon

  • Nach der Ultramarathon schmeckt ein Bier für Athlöet und Betreuer

Ein überraschender Besucher am Ziel

Als Günter das Ziel erreichte, wollten wir natürlich dabei sein. Wir parkten das Auto und eilten zum Zielbereich.

Dabei ließen wir etwas außer Acht: In der Gegend gab es Bären. Schilder warnten ausdrücklich davor, Essen im Auto zurückzulassen.

Unser Auto war nach der langen Betreuung voll mit Verpflegung. Süßigkeiten, Sportgetränke und alles, was wir unterwegs gebraucht hatten. Für einen Bären muss es ungefähr so verlockend gerochen haben wie eine riesige Dose Honig.

Als wir später in der Dunkelheit zum Auto zurückkamen, stand tatsächlich ein Bär daran – mit den Pfoten auf der Heckscheibe.

Er erschrak und lief glücklicherweise davon. Wir waren jedenfalls sehr wach.

Am nächsten Tag konnten wir die Pfotenabdrücke bewundern. In meiner Erinnerung waren sie groß wie Bratpfannen. Ein ziemlich eindrücklicher Hinweis darauf, warum diese Warnschilder dort standen.

Las Vegas und das Hofbräuhaus

Nach dem Rennen ging es nach Las Vegas. Die deutschen Teilnehmer wollten zur Abschlussfeier ins Hofbräuhaus.

Zuerst fanden wir das schon etwas merkwürdig: Jetzt waren wir in Las Vegas, und ausgerechnet dort sollte es ein deutsches Wirtshaus sein? Man könnte doch auch ins Casino gehen!

Am Ende schafften wir beides.

Wobei die Vorstellung von der großen Feier nach einem solchen Rennen oft lebhafter ist als die Feier selbst. Vorher denkt man daran, wie ausgelassen man nach dem Zieleinlauf feiern wird. Hinterher sind die meisten einfach müde. Sehr müde.

Das betrifft die Athleten und das Betreuungsteam gleichermaßen. Trotzdem bleiben gerade diese gemeinsamen Stunden in Erinnerung: die Erleichterung, die Gespräche und das Gefühl, etwas miteinander erlebt zu haben, das sich kaum vollständig erzählen lässt.

Zwei Jahre später: schnellster Deutscher beim Badwater

2004 waren wir zum ersten Mal gemeinsam beim Badwater. Zwei Jahre später kehrten wir zurück.

Günter hatte sich inzwischen so deutlich verbessert, dass er 2006 als schnellster deutscher Teilnehmer ins Ziel kam. Diese Entwicklung gemeinsam zu erleben, machte unsere zweite Reise besonders.

Als Trainer freut man sich natürlich über ein solches Ergebnis. Für mich gehört dazu aber immer auch die Erinnerung an den Weg dorthin: die Vorbereitung, die vielen Gespräche und die gemeinsamen Stunden unterwegs.

Was ich aus solchen Abenteuern mitnehme

Meine beiden Badwater-Reisen mit Günter haben mir viel bedeutet. Solche Erlebnisse schaffen eine Nähe, die weit über Trainingspläne und Leistungswerte hinausgeht.

Man erlebt einen Menschen voller Vorfreude, konzentriert, erschöpft und schließlich erleichtert. Man übernimmt Verantwortung füreinander und lernt, auch dann ruhig zusammenzuarbeiten, wenn die eigenen Kräfte nachlassen.

Diese Erfahrungen begleiten mich auch in meinem Alltag als Triathlon Coach. Gute Vorbereitung schafft Orientierung. Während des Wettkampfs braucht es außerdem Aufmerksamkeit, klare Absprachen und die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren.

Vor allem muss ich den Menschen kennen, den ich betreue: Was hilft ihm? Wann braucht er Ruhe, wann Zuspruch und wann eine klare Ansage?

Günters Weg erinnert mich außerdem daran, dass sportliche Ziele immer Teil eines größeren Lebens sind. Ihn interessierten das Unterwegssein, neue Herausforderungen und die Freiheit, seine Zeit selbst zu gestalten. Später kamen Obstbau und das Brennen dazu – wieder ein ganz anderes Kapitel.

Für mich liegt genau darin die Faszination meines Berufs. Ich darf Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleiten. Manchmal führt dieser Weg durch die Wüste, manchmal zur ersten Triathlon-Ziellinie. Und manchmal entsteht daraus eine Geschichte, über die wir noch viele Jahre später lachen.

Wenn du erfahren möchtest, wie ich dich bei deinen eigenen sportlichen Zielen begleiten kann, findest du untem im Link mehr Information

Weiterlesen

Nicky Heine nach Alpenbrevet 2026

Nicky – aus Coaching wird Freundschaft

Nicky Heine – aus Coaching wird Freundschaft

Manchmal beginnt eine langjährige Verbindung mit einer einfachen Frage.

Ich betreute meinen Kunden Marcus regelmäßig beim Personal Training in München. Eines Tages fragte er, ob er seinen Steuerberater mitbringen könne. So lernte ich Nicky Heine kennen.

Seit Dezember 2013 begleite ich ihn als Trainer. Aus der Zusammenarbeit sind viele gemeinsame Erlebnisse und eine Freundschaft zwischen unseren Familien entstanden.

Vom Athleten zum Trainingspartner im Camp

Nicky erlebte ich von Anfang an als freundlich, höflich und gut gelaunt. Später besuchte er ein Trainingscamp auf Fuerteventura, bei dem ich sportlicher Leiter war. Dort fragte ich ihn, ob er beim nächsten Mal selbst eine Gruppe begleiten möchte. Er sagte zu.

Inzwischen haben wir weit über 15 Trainingscamps auf den Kanaren und auf Mallorca gemeinsam betreut. Zu den sportlichen Erlebnissen kamen Geburtstage und gemeinsame Stunden mit unseren Familien. Wir lernten uns über das Training hinaus kennen und schätzen.

Training, Beruf und Erholung zusammenbringen

Nicky hat mehrfach einen Ironman und die Challenge Roth gefinisht. Seine anspruchsvolle Arbeit als Steuerberater stellte uns dabei immer wieder vor Herausforderungen.

Wir haben deshalb Trainingsumfang und Einheiten angepasst, aber auch seine Arbeitszeiten und den Wochenablauf gemeinsam betrachtet. Entscheidend war, genügend Platz für Training und Erholung zu schaffen.

Als Triathlon Coach muss ich berücksichtigen, was außerhalb des Sports passiert. Ein voller Arbeitstag verschwindet schließlich nicht aus Körper und Kopf, sobald die Laufschuhe angezogen sind.

Was über eine längere Zeit gut funktioniert hat, kann unter veränderten Bedingungen eine neue Lösung brauchen. Deshalb entwickelt sich auch unsere Zusammenarbeit ständig weiter.

  • Nicky heine Bei Laktatmessund bei der Triathlon Langtest in Roth 2026

  • Nicky Heione bei der Laufstrecke von Challenge Roth Triathlon 2026

  • Nicky Heine bei der Radstrecke bei Challenge Roth Triathlon 2026

Mehr Erfahrung, mehr Eigenverantwortung

Zuletzt haben wir Nickys Trainingsbereiche angepasst und ihm mehr Eigenverantwortung bei der Steuerung seiner Einheiten überlassen. Nach vielen Jahren im Triathlon kennt er seinen Körper und seine Reaktionen auf Belastung gut. Diese Erfahrung fließt in die Umsetzung ein.

Der Trainingsplan bleibt dabei die Grundlage. Er gibt der Woche Struktur und hilft, berufliche und private Verpflichtungen mit dem Sport zu organisieren. Feste Termine berücksichtigen wir bereits bei der Planung. Verändert sich etwas, passen wir gemeinsam an.

Meine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten, seine Rückmeldungen einzuordnen und die nächsten Schritte mit ihm abzustimmen.

Was über den Sport hinaus bleibt

Als Marcus damals seinen Steuerberater zum Training mitbrachte, konnte keiner von uns ahnen, was daraus entstehen würde. Heute kümmert sich Nicky auch um meine Steuern, während ich sein Training begleite. Jeder vertraut auf die Erfahrung des anderen.

Seine Geschichte zeigt, was mir an meinem Beruf besonders gefällt: einen Menschen über viele Jahre begleiten zu dürfen. Wettkämpfe und Ergebnisse gehören dazu. Genauso wertvoll sind die gemeinsamen Erlebnisse und das Vertrauen, das mit der Zeit wächst.

Wenn du erfahren möchtest, wie ich Training und persönliche Betreuung verbinde, findest du unten im Link mehr Information.

Individuelles Triathlon-Coaching.

Zurück zu Menschen und Wege

Weiterlesen

Bennie Lindberg Triathlon Trainer im Hallenbad

Was mich als Triathlon-Trainer geprägt hat

Was mich als Triathlon-Trainer geprägt hat

Was mich als Triathlon-Trainer geprägt hat

Bild: Höchentraining in Oberstdorf 1992 mit (von links) Pauli Kiuru, Bennie Lindberg, Teemu Vesala. Unten Triathlon Coach und Legende Seppo „Nitti“ Nuuttila

Meine Entwicklung zum Triathlon-Trainer begann lange bevor ich meine ersten Trainingspläne für andere schrieb. Als Athlet erlebte ich selbst, wie viel Vertrauen zwischen Trainer und Sportler entstehen kann und wie sehr die Menschen im eigenen Umfeld die Entwicklung prägen.
Besonders viel verdanke ich meinem finnischen Trainer Seppo Nuuttila. Durch ihn, meine Trainingskameraden, meine spätere Trainerausbildung und die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Athleten entwickelte sich meine heutige Arbeitsweise als Triathlon Coach.

Seppo Nuuttila – ein Trainer, der mich geprägt hat

1989 kam ich in die Trainingsgruppe von Seppo Nuuttila, den wir „Nitti“ nannten. Pauli Kiuru war damals bereits zweimal unter den ersten zehn beim Ironman auf Hawaii gewesen. Magnus Lönnqvist hatte uns vorgemacht, wie man aus der Begeisterung für Triathlon einen Beruf machen konnte. Zu meinen Trainingskameraden gehörten auch Teemu Vesala und später Olivier Bernard.

Seppo brachte einen großen Erfahrungsschatz aus verschiedenen Sportarten mit. Wenn er aus dem finnischen Ausdauersport erzählte, hörten wir mit gespitzten Ohren zu. Seine Geschichten vermittelten uns eine Vorstellung davon, was durch konsequente Arbeit und Vertrauen in den eigenen Weg möglich war.

Unser Umfeld reichte weit über Triathlon hinaus. Wir machten Zirkeltraining mit Motocross-Weltmeister Pekka Vehkonen, beobachteten das Training des Badmintonspielers Pontus Jäntti und saßen mit Ruder-Olympiasieger Pertti Karppinen beim Kaffee.

Für mich war das eine besondere Schule. Ich bekam mit, wie erfolgreiche Sportler trainierten, ihren Alltag organisierten und Verantwortung für ihre Entwicklung übernahmen.

Klare Aufgaben und gegenseitiges Vertrauen

Als ich meinen ersten Trainingsplan von Seppo bekam, überraschte mich seine Einfachheit. Die Pläne wurden auf Papier geschrieben oder per Fax verschickt. Häufig standen dort lediglich die Sportart, die Dauer und ein Herzfrequenzbereich.

Wenige Angaben, aber eine klare Aufgabe.

Die Einheiten waren anspruchsvoll, jedoch machbar. Ich erinnere mich an keinen Plan, bei dem ich von Anfang an dachte: Das kann ich unmöglich schaffen. Die Herausforderung lag darin, die Arbeit über lange Zeit konsequent umzusetzen.

Wir hatten unsere Ziele und vertrauten Seppo. Pauli brachte diese Haltung einmal mit einer Rechnung auf den Punkt: Wer täglich fünf Minuten Training weglässt, verliert im Jahr rund 30 Stunden.

Zu unserem Berufsverständnis gehörten ebenso ausreichend Schlaf, Erholung und die Betreuung durch Physiotherapeuten oder Ärzte. Training war unsere Arbeit – Regeneration gehörte dazu.

Wir kümmerten uns außerdem selbst um Sponsoren und organisierten unsere Reisen und Trainingsaufenthalte. Profisport bedeutete, Verantwortung für den gesamten Alltag zu übernehmen.

Wie unser Triathlon-Training aufgebaut war

Unser Trainingsjahr begann im Herbst mit vergleichsweise geringen Umfängen. Die Belastung stieg schrittweise an, Entlastungswochen waren fest eingeplant. Mit unserer Entwicklung konnte über die Jahre auch das Ausgangsniveau steigen.

Krafttraining gehörte ganzjährig zum Programm. Im Herbst, Winter und Frühjahr kam regelmäßig Zirkeltraining dazu. Damit schufen wir eine Grundlage für die Belastungen auf der Langdistanz.

Häufig verbanden wir mehrere Disziplinen in einer Einheit. Im Winter konnte das eine Kombination aus Skilanglauf, Laufen und Schwimmen sein. Richtung Wettkampfsaison orientierte sich die Reihenfolge zunehmend am Triathlon: Schwimmen, Radfahren, Laufen.

Das erforderte Vorbereitung. Ausrüstung, Verpflegung und Wechselkleidung mussten mit. Gleichzeitig konnten wir die Übergänge zwischen den Disziplinen üben und sparten Wege im Trainingsalltag.

Die Übersichtlichkeit der Pläne half dabei, die Gesamtbelastung im Blick zu behalten. Erst später, mit eigener Trainererfahrung, verstand ich noch besser, wie sich die verschiedenen Bestandteile ergänzten.

Bild, Triathlon Europameister 1989, von links: Magnus Lönnquist, Bennie Lindberg, Teemu Vesala

Triathlon Langdistanz Europameister 1989 in Dänemark. Von links: Magnus Lönnquist, Bennie Lindberg, Teemu Vesala – Alle Mittgleider in Seppo Nuuttilas Trainingsbruppe

Messen, verstehen und sinnvoll handeln

Wir arbeiteten bereits damals regelmäßig mit Herzfrequenzmessern und Leistungsdiagnostik. Schwimmen, Radfahren und Laufen wurden getestet, die Erholung beobachtet und Bewegungsabläufe untersucht.

An eine Laufanalyse erinnere ich mich besonders gut: Mein linker Fuß blieb drei Hundertstelsekunden länger am Boden als mein rechter. Seppos Kommentar dazu war sinngemäß: Man kann vieles messen. Entscheidend ist, ob sich daraus eine sinnvolle Maßnahme für das Training ableiten lässt.

Dieser Gedanke begleitet mich bis heute.

Daten können helfen, Entwicklungen zu erkennen. Als Trainer muss ich aber einordnen, welche Information eine Entscheidung tatsächlich verändert. Dazu brauche ich auch die Rückmeldung des Athleten: Wie fühlt sich das Training an? Was passiert gerade im Alltag? Wie schläft er, wie gut erholt er sich?

Eine Zahl wird erst dann wirklich hilfreich, wenn ich sie im Zusammenhang verstehe.

Das passende Tempo für die Langdistanz finden

Ein besonderer Bestandteil unserer damaligen Vorbereitung war der lange Test: drei Kilometer Schwimmen, 120 Kilometer Radfahren und 30 Kilometer Laufen.

Dabei wollten wir herausfinden, welches Tempo wir über eine lange Belastung gleichmäßig halten konnten. Wir lernten, zu Beginn ruhig genug zu bleiben und später die vorhandenen Kräfte zu nutzen. Das stärkte auch unser Vertrauen in die eigene Renneinteilung.

Dieser Test gehörte zu unserer Vorbereitung als erfahrene Leistungssportler. Umfang und Belastung lassen sich deshalb nicht einfach auf jeden Athleten übertragen.

Der Grundgedanke ist jedoch in meiner Arbeit geblieben: Im Training Erfahrungen sammeln, die im Wettkampf helfen. Auch bei meinen heutigen Langtests in Roth geht es darum, die eigene Leistungsfähigkeit einzuschätzen und die Vorbereitung praktisch zu überprüfen.

Vom Athleten zum ausgebildeten Trainer

Schon während meiner aktiven Laufbahn absolvierte ich die finnischen C- und B-Trainerlizenzen. Später folgte die Berufstrainerausbildung in Finnland.

Die Ausbildung gab meinen praktischen Erfahrungen ein fachliches Fundament. Ich konnte Zusammenhänge besser einordnen und begann, Training zunehmend aus der Perspektive des Trainers zu betrachten.

Dabei wurde mir klar, wie wichtig es ist, die eigene Erfahrung richtig einzuordnen. Was bei mir funktioniert hatte, musste für einen anderen Athleten noch lange nicht die passende Lösung sein. Menschen bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit und reagieren unterschiedlich auf Training.

Ein wichtiger Teil meines Weges war die Zusammenarbeit mit Stefan Holzner. Über unsere Anfänge und die gemeinsame Entwicklung erzähle ich im Beitrag „Wie ich Triathlon-Trainer wurde“ auf bennie-lindberg.com.

Wie ich Triathlon-Trainer wurde

Drei Athleten, drei besondere Wege

Roland, Sebastian und Michi brachten sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. Ihre Geschichten zeigen, warum individuelles Triathlon-Training mit dem Menschen und seinen Möglichkeiten beginnt. Die abgebildeten historischen Trainingspläne gehören zu ihrer jeweiligen damaligen Situation und sind keine Vorlagen zum unveränderten Nachtrainieren.

Roland Schumacher – mein erster Altersklassen-Weltmeister

Roland Schumacher lernte ich über Stefan Holzner kennen. Roland und ich starteten beide für den SC Riederau, damals einer der führenden Triathlonvereine Deutschlands. Er kam aus dem deutschsprachigen Ostbelgien und brachte unglaublich viel Talent mit.

Seine Trainingszeit war allerdings begrenzt: Roland arbeitete als Beamter beim Patentamt in München und hatte zwei Söhne. Dazu war er ein echter Genießer. Ein gutes Stück Schokolade oder ein Glas Wein gehörten für ihn zum Leben. Er wollte sportlich erfolgreich sein und das Leben genießen.

Für mich als Trainer bedeutete das, seine Möglichkeiten und Prioritäten zusammenzubringen. Sein Talent entwickelte sich prächtig – und dann erreichte mich eine besondere Nachricht.

Ich war gerade bei meiner Berufstrainerausbildung in Finnland, als ich erfuhr, dass Roland in Nizza ITU-Weltmeister auf der Langdistanz in seiner Altersklasse geworden war. Mein erster Altersklassen-Weltmeister!

Im Auto hatte ich noch ein paar Flaschen deutschen Wein. Die öffneten wir mit der Ausbildungsgruppe und stießen gemeinsam auf Roland an. Während ich selbst noch für meinen Trainerberuf lernte, hatte einer meiner Athleten einen Weltmeistertitel gewonnen. Diesen Moment vergesse ich nicht.

Weitere Weltmeistertitel von Athleten, die ich betreuen durfte, kamen später dazu. Roland bleibt für mich der Erste – und die Erinnerung an ihn ist eng mit dieser gemeinsamen Feier verbunden.

Individuelle Trainingsplanung – per Fax aus Australien

Dieses Fax schrieb ich Roland im März 1996 aus Forster in Australien. Auch während meiner eigenen Wettkampf- und Trainingsreisen ging die Betreuung meiner Athleten weiter.

Nach seiner Rückmeldung plante ich die nächsten Wochen bis zur Deutschen Duathlon-Meisterschaft: intensive Trainingsphasen, eine leichtere Woche und anschließend eine Reduzierung der Belastung mit kurzen, intensiven Abschnitten vor dem Wettkampf.

Das Fax enthält konkrete Vorgaben für die einzelnen Disziplinen, Kraft- und Zirkeltraining sowie eine Beispielwoche. Hinter den handschriftlichen Zeilen steckt eine klare Überlegung: Welche Belastung braucht Roland jetzt, und wie bauen wir darauf bis zum Wettkampf auf?

Heute ist der Austausch technisch viel einfacher. Das Prinzip meines Triathlon-Coachings bleibt: Rückmeldungen auswerten, das Ziel im Blick behalten und daraus die nächsten Trainingsschritte entwickeln.

Triathlon Trainingsplan von erstellt von Bennie Lindberg 1996

Trainingsplanung für Roland Schumacher: Fax aus Forster, Australien, vom 13. März 1996 – mit Belastungsaufbau, Intensitätsvorgaben und einer Beispielwoche.

Sebastian Löhnert – mit Struktur zum Weltmeistertitel

Sebastian Löhnert kam über meinen damaligen Radsponsor Cube zu mir. Ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb fragte, ob ich einem jungen Athleten aus Coburg helfen könnte, der etwas mehr Struktur in seinem Training brauchte. Cube unterstützte auch seinen Verein. Kurz darauf telefonierten wir und begannen unsere Zusammenarbeit.

Am Anfang wollte ich Sebastian erst einmal kennenlernen. Wie hatte er in den vergangenen Jahren trainiert? Welche sportlichen Erfahrungen brachte er mit? Wie sah sein beruflicher Alltag aus?

Dann gingen wir seine Trainingsmöglichkeiten durch: Gab es Schwimmtraining im Verein oder einen Trainer vor Ort? Mit wem konnte er gemeinsam trainieren? Welche Einheiten machte er besonders gerne? All das beeinflusst, wie sich ein Trainingsplan umsetzen lässt und wie viel Erholung möglich ist.

Leistungstests halfen uns, die Ausgangssituation einzuschätzen und die Belastung sinnvoll zu steuern. Darauf bauten wir schrittweise auf: trainieren, Rückmeldung geben, erholen und gemeinsam prüfen, was sich verändert hatte. Waren wir auf dem richtigen Weg? Was mussten wir anpassen? So ging es weiter, Monat für Monat und Jahr für Jahr.

Sebastian brachte dafür hervorragende Voraussetzungen mit. Er war organisiert, diszipliniert und setzte das Training sehr zuverlässig um. Von Jahr zu Jahr wurde er stärker.
Ein Höhepunkt war die Triathlon-Weltmeisterschaft 2007 in Hamburg über die olympische Distanz. Sebastian wurde Weltmeister seiner Altersklasse und war zugleich der schnellste deutsche Altersklassenathlet im Rennen.

Später wagte er sich auch an die Langdistanz und erreichte sehr gute Zeiten deutlich unter neun Stunden. Sportlich war das ein vielversprechender Anfang. Trotzdem entschied er sich schließlich für seine berufliche Laufbahn. Eine Karriere als Profitriathlet hätte deutlich mehr Unsicherheit bedeutet.

Auch das gehört für mich zum Coaching: Ein Athlet darf seinen eigenen Weg wählen. Eine starke sportliche Entwicklung eröffnet Möglichkeiten – welche davon zum eigenen Leben passt, entscheidet der Mensch selbst.

Ein Blick in Sebastians Trainingsplan von 2007

Der abgebildete Plan stammt aus dem Februar und März 2007, dem Jahr seines Weltmeistertitels. Er zeigt einen Ausschnitt aus der Vorbereitung im Winter und frühen Frühjahr.

Das Schwimmtraining im Verein war fest eingebunden. Dazu kamen Laufintervalle, längere Radeinheiten, Krafttraining und Kombinationen aus Radfahren und Laufen. Für die Radbelastungen gab es Herzfrequenzvorgaben; auf dem Plan standen auch Werte aus einem Leistungstest.

Aufschlussreich finde ich die Hinweise zur Umsetzung: Eine längere Kombination sollte sich ausdrücklich locker anfühlen – die Dauer allein sollte bereits belasten. An anderer Stelle war regeneratives Joggen nach Gefühl vorgesehen. Zahlen gaben Orientierung, das Körpergefühl blieb Teil der Steuerung.

In der anschließenden Woche stand ein 25-Kilometer-Laufwettkampf im Plan. Die Einheiten davor wurden kürzer und lockerer; außerdem war eine Massage eingeplant. Belastung und Erholung wurden zusammen betrachtet.

Der Plan zeigt eine Phase in Sebastians Entwicklung. Sein Weltmeistertitel entstand aus der kontinuierlichen Arbeit über Jahre, die wir immer wieder anhand seiner Rückmeldungen angepasst haben.

Der Bild zeigt ein von Bennie Linbedg erstellte Trainingsplan für Triathlon Weltmeister Sebastian Löhnert

Sebastians Trainingsplan aus Februar und März 2007 – mit Vereinstraining, individuellen Belastungsvorgaben und eingeplanter Erholung.

Michael Hofmann – mit Ausdauer zum deutschen Meister

Michi Hofmann lernte ich kennen, als er ungefähr 16 Jahre alt war und eine Ausbildung im Forstbereich machte. Ich war damals sportlicher Leiter der Triathlonabteilung des TSV Roth.

Wir hatten viele gute Nachwuchsathleten im Verein. Einige gewannen schon früh fränkische, bayerische oder deutsche Meistertitel. Michi gehörte zunächst nicht dazu. Obwohl er sehr hart trainierte und unbedingt vorankommen wollte, war immer jemand da, der in jungen Jahren etwas schneller war.

Michi blieb dran. Er setzte die Einheiten um, ohne sich zu beklagen, und wollte am liebsten noch mehr trainieren. Sein großer Trainingsfleiß zahlte sich allmählich aus. Auf die ersten Titel folgte schließlich ein deutscher Meistertitel auf der Mitteldistanz im Triathlon.

Zu dieser Entwicklung trugen zwei Dinge besonders bei.

Die körperlich anstrengende Arbeit im Forst ließ wenig Raum für Erholung. Über einen Freund bei der Berufsfeuerwehr in Nürnberg kamen wir auf die Möglichkeit eines Berufswechsels zu sprechen. Michi bestand das Auswahlverfahren und wechselte zur Feuerwehr. Der dortige Arbeitsrhythmus passte besser zu seinem Sport. Entscheidend war vor allem, dass er zwischen den Trainingseinheiten mehr Gelegenheit zur Erholung bekam.

Gleichzeitig entstand Anfang der 2000er-Jahre in Roth eine besondere Trainingsgruppe. Michi, „Burner“, „Sergeant T.“ und ich trainierten oft gemeinsam. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Berufen und Zielen, die sich gegenseitig motivierten und viel miteinander lachten.

Ich war damals bereits hauptberuflich Trainer und Coach, trainierte aber regelmäßig mit. 2004 gewann ich sogar den Gigathlon in der Schweiz. Die gemeinsame Zeit tat also auch meinem eigenen Sport gut.

Wir konnten hart arbeiten, ohne dass sich jede Einheit nach harter Arbeit anfühlte. Motivation war selten das Problem. Als Coach musste ich eher darauf achten, dass zur Begeisterung auch genügend Erholung kam.

Michis Weg hat mir gezeigt, wie viel über Jahre entstehen kann, wenn Ausdauer, passende Lebensbedingungen und ein gutes Umfeld zusammenkommen. Und wie wichtig es ist, als Trainer auch einmal zu bremsen.

Ein Trainingsplan, der zum Feuerwehrdienst passt

Michis (und Sebastians) Plan trägt noch das alte Ad-Extremum-Logo. Die blau markierten Tage sind seine Diensttage bei der Feuerwehr. Schon diese kleine Markierung zeigt, wie eng Trainingsplanung und Berufsalltag zusammengehörten.

Am Freitag war ein Ruhetag mit Bauch- und Rückengymnastik vorgesehen. Am Sonntag sollte Michi locker mit dem Rad zur Arbeit fahren. Auch die Heimwege mit dem Rad wurden im Plan berücksichtigt.

Dazwischen standen anspruchsvolle Einheiten. Am Samstag etwa eine umfangreiche Schwimmpyramide, Laufintervalle und eine Radeinheit mit einem Zehn-Kilometer-Zeitfahren. Ein solches Programm setzte seine damalige Leistungsfähigkeit und die entsprechende Vorbereitung voraus.

Besonders gut gefällt mir aus heutiger Sicht der Vermerk beim Lauftest am Montag: Zeiten aufschreiben und mir mitteilen. Die Rückmeldung gehörte zur Aufgabe. Sie sollte mir helfen, seine Entwicklung einzuschätzen und das weitere Training zu steuern.

Für mich macht dieser alte Plan sichtbar, was individuelles Triathlon-Coaching ausmacht: den Alltag berücksichtigen, Belastungen gezielt setzen und im Austausch bleiben. Wie viel Erholung tatsächlich möglich war, hing natürlich auch davon ab, wie sein Dienst verlaufen war.

Triathlon Trainingsplan von Michael Hofmann erstellt 2005

Trainingsplan für Michael „Michi“ Hofmann vom 4. bis 10. Mai 2005. Blau markiert sind seine Diensttage bei der Feuerwehr.

Wie ich heute als Triathlon Coach arbeite

Die Grundgedanken aus meiner eigenen Trainingszeit begleiten mich weiterhin: klare Aufgaben, eine nachvollziehbare Belastungsentwicklung, passende Erholung und ein sinnvoller Umgang mit Leistungsdaten.

Heute beginnt meine Arbeit mit Fragen an den Menschen: Was möchtest du erreichen? Wie sieht dein Alltag aus? Welche Erfahrungen bringst du mit? Und wie viel Training passt tatsächlich zu Beruf, Familie und Erholung?

Daraus entsteht ein Trainingsplan, den wir gemeinsam auf seine Umsetzbarkeit prüfen. Durch das Training und dein persönliches Feedback erfahren wir, was funktioniert und wo wir etwas verändern müssen.

Diese Rückmeldungen sind für mich ein wesentlicher Teil der Betreuung. Wenn sich dein Alltag verändert, eine Einheit nicht gelingt oder du ungewöhnlich müde bist, möchte ich das wissen. So können wir Entscheidungen treffen, die zu deiner tatsächlichen Situation passen.

Rückblickend hatte ich das Glück, meinen sportlichen und beruflichen Ehrgeiz schon früh durch Erfolge und Titel erfüllen zu können. Was mich über all die Jahre fasziniert hat, sind die Menschen hinter den Ergebnissen.

Heute interessiert mich vor allem: Wer sitzt mir gegenüber? Was ist diesem Menschen wichtig? Und wie kann ich ihn auf dem Weg zu den Zielen begleiten, die wir gemeinsam festgelegt haben?

Das kann ein Meistertitel sein, die erste Langdistanz oder die Freude daran, im eigenen Alltag wieder regelmäßig Sport zu treiben. Jeder dieser Wege bringt neue Erfahrungen mit sich. Deshalb lerne ich auch nach vielen Jahren als Triathlon-Trainer immer noch dazu.

Wenn du erfahren möchtest, wie eine solche Zusammenarbeit aussieht, findest du im Link mehr Informationen

Weiterlesen