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Vera F. Birkenbihl – was wir voneinander lernten

Manche Menschen bleiben einem besonders in Erinnerung, weil sie die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Vera F. Birkenbihl war für mich so ein Mensch.

Rund drei Jahre lang durfte ich sie als Trainer begleiten. Sie wollte fitter werden, und ich brachte meine Erfahrungen aus Sport und Coaching mit. Schon bald merkte ich, wie viel auch ich aus dieser Zusammenarbeit mitnehmen würde.

Wie wir uns kennenlernten

Der Kontakt entstand über Dr. Ulrich Strunz. Mit Uli war ich häufig laufen und unterstützte ihn bei seinen Laufseminaren in der Betreuung der Teilnehmer. Eines Tages erzählte er mir von einer besonderen Persönlichkeit, die jemanden suchte, der ihr helfen könnte, fitter zu werden.

Ich bekam Veras Telefonnummer, rief sie an und fuhr zu ihr nach Odelzhausen.

Unsere Zusammenarbeit hatte von Anfang an ihre eigenen Regeln. Auch bei der Anrede: Wir nannten uns beim Vornamen, blieben aber beim Sie. Vera beschrieb das als eine Art Zwischending. Es passte zu ihr, selbst bei solchen Gewohnheiten eine eigene Lösung zu finden.

Fragen gehörten zum Training dazu

Vera brachte wenig Erfahrung mit regelmäßigem sportlichem Training mit. Dafür stellte sie viele Fragen. Sie wollte verstehen, warum sie etwas machen sollte und wie sich Bewegung in ihren Alltag einbauen ließ.

Sie trug beispielsweise beim Einkaufen einen Pulsmesser, um herauszufinden, ob das schon als Training zählen könnte. Auch in anderen Alltagssituationen interessierte sie sich dafür, was ihr Puls machte.

Für mich als Trainer war das eine spannende Aufgabe. Dinge, die mir nach vielen Jahren im Leistungssport selbstverständlich erschienen, musste ich neu erklären und aus ihrer Perspektive betrachten.

Welche Bewegung war für sie umsetzbar? Was machte ihr ausreichend Freude, um dranzubleiben? Und welche Veränderungen wollte sie überhaupt in ihren Alltag aufnehmen?

Vera sagte deutlich, wenn sie zu etwas nicht bereit war. Damit konnten wir arbeiten. Ein Plan musste schließlich zu dem Menschen passen, der ihn umsetzen sollte.

Trainingspläne per Fax und handschriftliche Rückmeldungen

Ein großer Teil unserer Zusammenarbeit lief über Telefon und Fax. Ich schickte Vera ihre Trainingspläne, sie schrieb ihre Kommentare von Hand dazu und faxte sie zurück. Oft telefonierten wir zusätzlich.

Diese Rückmeldungen waren für mich wichtig. Ich erfuhr, wie sie die Einheiten erlebt hatte, welche Fragen aufgetaucht waren und was sich im Alltag bewährt hatte. Daraus entwickelten wir die nächsten Schritte.

Wenn wir uns trafen, trainierten wir gemeinsam und machten auch Laktattests. Wir beschäftigten uns mit Bewegung und ihren Ernährungsgewohnheiten. Nach und nach wurde sie fitter.

Heute stehen für die Betreuung ganz andere technische Möglichkeiten zur Verfügung. Das Wesentliche erkenne ich in diesen alten Faxen aber immer noch: Ein Trainingsplan wird durch den Austausch zwischen Trainer und Athlet lebendig.

Manchmal gehörte auch ein Stepper aus England dazu

Die praktische Unterstützung ging gelegentlich über Trainingspläne hinaus. Ich besorgte Vera unter anderem einen Stepper aus England und Nordic-Walking-Stöcke aus Finnland, die hier damals noch kaum verbreitet waren. Auch Trainingskleidung kaufte ich auf ihre Bitte hin für sie ein.

Wenn ich heute alte Vortragsvideos von ihr sehe, muss ich manchmal schmunzeln: Einige dieser Kleidungsstücke erkenne ich wieder.

Das sind kleine Erinnerungen, die mir besonders nahe sind. Sie zeigen, wie persönlich eine Zusammenarbeit werden kann und wie unterschiedlich die Unterstützung aussieht, die jemand gerade braucht.

Was ich von Vera mitgenommen habe

Vera war direkt und stellte Gewohnheiten infrage. Sie konnte Dinge aussprechen, bei denen andere erst lange überlegt hätten, ob man das so sagen durfte.

Manchmal war das ungewohnt. Gleichzeitig erlebte ich einen warmherzigen und empfindsamen Menschen. Diese Mischung faszinierte mich, und ich freute mich auf unsere Treffen.

Wir unterhielten uns längst nicht nur über Training. Vera interessierte sich für Sprachen und Musik. Da ich selbst mehrere Sprachen spreche, fanden wir auch darüber viel Gesprächsstoff. Sie erzählte aus ihrer Welt, ich aus meiner. Mehrmals lud sie mich zu ihren Seminaren ein.

Besonders eindrücklich war für mich der Unterschied zwischen ihrer enormen Energie bei Vorträgen und der Anstrengung, die körperliche Aktivität sie kosten konnte. Wer in einem Bereich Außergewöhnliches leistet, kann in einem anderen ganz am Anfang stehen.

Das hat meinen Blick als Coach erweitert. Ich wollte noch genauer verstehen, welche Voraussetzungen ein Mensch tatsächlich mitbringt und was sich hinter seinem Auftreten verbirgt.

Was diese Begegnung mit meinem heutigen Coaching verbindet

Unsere Zusammenarbeit ging nach etwa drei Jahren zu Ende. Geblieben sind Erinnerungen an viele Gespräche, ungewöhnliche Fragen und gemeinsames Lernen.

Als Triathlon-Trainer begleite ich Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Zielen. Manche sind seit Jahren im Sport zu Hause, andere müssen Bewegung erst in ihrem Leben verankern. Auch ein erfahrener Athlet kann vor einer Aufgabe stehen, bei der er sich unsicher fühlt.

Deshalb möchte ich verstehen, bevor ich plane: Was ist diesem Menschen wichtig? Was traut er sich zu? Wo braucht er Orientierung, und welche Veränderungen ist er bereit mitzutragen?

Die Begegnung mit Vera hat mich darin bestärkt, aufmerksam zuzuhören und meine eigenen Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Ich durfte ihr helfen, körperlich fitter zu werden. Sie hat mir neue Perspektiven auf Menschen eröffnet.

Wenn du erfahren möchtest, wie ich heute Training und persönliche Betreuung miteinander verbinde, findest du im Link hier unten mehr