Brauche ich ein Trainingslager?
Brauche ich ein Trainingslager?
Brauche ich ein Trainingslager?
Nicht jeder Triathlet braucht ein Trainingslager. Entscheidend ist, wann du fährst, was du dort trainierst und ob es wirklich zu deinem Ziel passt.
Ob ein Trainingslager für dich sinnvoll ist, hängt von mehreren Dingen ab: Zeitpunkt, Ziel, Dauer, Inhalt, verfügbare Zeit, Budget und natürlich deinem Trainingsniveau.
Ein Trainingslager ist kein Selbstzweck. Nur weil im Februar viele Triathleten Richtung Süden fliegen, heißt das noch lange nicht, dass du das auch machen musst.
Entscheidend ist vielmehr: Was willst du mit dem Trainingslager erreichen?
Wann macht ein Trainingslager Sinn?
Ein Trainingslager früh in der Saison kann sehr sinnvoll sein, wenn du gezielt an deinen Schwächen arbeiten möchtest.
In dieser Phase kannst du noch relativ problemlos Schwerpunkte setzen. Vielleicht möchtest du deine Kraultechnik verbessern, auf dem Rad viele lockere Kilometer mit einer guten Trittfrequenz sammeln oder eine solide Laufbasis aufbauen.
Auch Krafttraining, Rumpfstabilität und Technikarbeit können in einem frühen Trainingslager einen größeren Stellenwert bekommen.
Das Entscheidende ist: Das Trainingslager sollte zu deiner aktuellen Trainingsphase passen – nicht umgekehrt.
Der klassische Zeitpunkt vor der Radsaison
Ein bewährter Zeitpunkt liegt einige Wochen bevor bei uns in Deutschland wieder vernünftig draußen Rad gefahren werden kann.
Mit einer Woche im Süden kannst du deine persönliche Radsaison praktisch ein oder zwei Wochen früher beginnen. Bei einem längeren Aufenthalt entsprechend mehr.
Gerade beim Radfahren kann das sinnvoll sein, weil lange lockere Einheiten im Winter zu Hause nicht immer angenehm oder überhaupt gut machbar sind.
Das bedeutet aber nicht, dass du jeden Tag sechs Stunden Rad fahren musst. Auch hier gilt: Der Umfang muss zu dem passen, was du vorher trainiert hast.
Muss ich im Januar oder Februar in die Sonne?
Nein.
Wenn dein Hauptwettkampf erst im Sommer stattfindet, deine Urlaubstage begrenzt sind und auch das Budget eine Rolle spielt, dann kann es aus meiner Sicht sogar sinnvoller sein, zusätzliche Trainingszeit näher an dein Hauptziel zu legen.
Vielleicht bringt dir eine Trainingswoche acht Wochen vor deinem Ironman mehr als eine Woche im Januar.
Oder du machst gar kein klassisches Trainingslager, sondern nimmst in den letzten beiden Monaten vor deinem Hauptwettkampf jede Woche einen zusätzlichen freien Tag. Auch daraus kann ein sehr effektiver Trainingsblock entstehen.
Ein Trainingslager muss also nicht zwangsläufig Mallorca, Fuerteventura oder Lanzarote bedeuten. Auch ein Trainingslager zu Hause kann funktionieren.
Trotzdem hat ein Winter-Trainingslager einen großen Vorteil
Motivation.
Eine Woche mit Gleichgesinnten in der Wärme kann mitten im Winter unglaublich guttun.
Du freust dich vorher darauf. Während des Trainingslagers hast du Spaß an der Gruppe und am Training. Und danach kommst du oft mit neuer Motivation und vielen neuen Ideen nach Hause.
Das darf man nicht unterschätzen.
Für jemanden mit einem frühen Saisonziel kann ein Winter-Trainingslager ohnehin sinnvoll sein. Für Profis gehört es häufig ganz selbstverständlich zum Jahresablauf.
Und manchmal braucht man einfach Sonne, Wärme und einen kleinen Motivationsschub.
Auch das ist ein guter Grund.
Gerade Anfänger können besonders profitieren
Bei Triathlon-Einsteigern sehe ich den größten Wert eines Trainingslagers nicht unbedingt in den Trainingskilometern.
Der Wissenstransfer ist oft viel wichtiger.
Wie fahre ich sicher in einer Gruppe? Wie teile ich mir mein Training ein? Wie funktioniert ein Wechsel? Wie ernähre ich mich auf längeren Einheiten? Wie trainiere ich Kraultechnik? Und wie kombiniere ich überhaupt drei Sportarten sinnvoll?
In einer guten Gruppe lernst du unglaublich viel – vom Trainer, aber auch von anderen Teilnehmern.
Genau deshalb habe ich gemeinsam mit Hannes Hawaii Tours ein eigenes Triathlon-Einsteigerseminar entwickelt. Dort geht es nicht darum, in einer Woche möglichst viele Kilometer zu sammeln. Es geht darum, Triathlon zu lernen.
Wer früh versteht, warum er etwas macht, kann sich später viele Fehler sparen.
Warum Erfahrung im Training eine so große Rolle spielt, habe ich auch in meinem Beitrag „Zwei Welten – eine Zukunft: Technologie und Erfahrung im Triathlontraining“ auf bennie-lindberg.com beschrieben.
Wie lange sollte ein Trainingslager dauern?
Das hängt stark vom Trainingsniveau ab.
Für einen Einsteiger kann bereits eine gut organisierte Woche enorm viel bringen. Gerade wenn Lernen, Technik und Wissensvermittlung im Vordergrund stehen.
Für einen erfahrenen Athleten können zehn bis vierzehn Tage sehr effektiv sein. In dieser Zeit kann man einen echten Trainingsblock setzen und anschließend ausreichend regenerieren.
Früher als Profi sah das bei mir ganz anders aus.
Ich habe teilweise vier bis fünf Monate pro Jahr im Trainingslager verbracht. Drei Monate davon in Neuseeland, anschließend noch Zeit in Australien.
Das war mein Beruf.
Für einen Amateur mit Familie, Beruf und begrenzten Urlaubstagen wäre es völlig unsinnig, so etwas kopieren zu wollen.
Was sollte ich im Trainingslager trainieren?
Je näher ein Trainingslager an einem wichtigen Wettkampf liegt, desto ausgewogener sollte das Training normalerweise werden.
Triathlon besteht schließlich aus Schwimmen, Radfahren und Laufen.
Früh in der Saison kannst du durchaus einen Schwerpunkt setzen. Vielleicht etwas mehr Schwimmen, vielleicht mehr Radkilometer oder einen Laufblock.
Ich würde aber gerade Amateuren nicht empfehlen, über viele Wochen eine Disziplin praktisch komplett zu vernachlässigen.
Profis können sehr große Trainingsumfänge verkraften und dadurch trotz Schwerpunkt in allen drei Disziplinen weitertrainieren. Bei einem Amateur sieht das anders aus.
Deshalb sollte man auch im Trainingslager nicht einfach kopieren, was irgendein Profi auf Strava macht.
Das Training muss zu dir passen.
Das größte Problem im Trainingslager: zu viel Training
Und damit kommen wir zu einem Punkt, den ich in über 35 Jahren als Trainer immer wieder erlebt habe.
Viele Athleten trainieren im Trainingslager zu viel.
Zu Hause wird vielleicht fünf- oder sechsmal pro Woche trainiert. Im Trainingslager plötzlich zweimal täglich.
Die Radausfahrt wird länger, weil das Wetter schön ist. Danach gehen die anderen noch laufen – also läuft man mit. Am nächsten Morgen steht wieder Schwimmen auf dem Programm.
Und weil man schließlich im Trainingslager ist, möchte man natürlich nichts auslassen.
Genau hier entsteht das Problem.
Der Körper kennt nicht den Begriff „Trainingslager“. Er kennt nur Belastung und Erholung.
Nach meiner Erfahrung macht ein großer Teil der Teilnehmer im Trainingslager mehr, als sie sinnvoll verkraften können.
Das Ergebnis sieht man manchmal erst danach: Erkältung, Müdigkeit, kleine Verletzungen oder mehrere Tage, in denen überhaupt kein vernünftiges Training mehr möglich ist.
Deshalb gilt im Trainingslager für mich noch stärker als sonst meine alte Trainingsregel:
Lieber etwas zu wenig als etwas zu viel.
Normalerweise sage ich gerne: Lieber 10 Prozent zu wenig trainieren als 1 Prozent zu viel.
Im Trainingslager würde ich daraus fast 20 oder 30 Prozent machen.
Denn ein gutes Trainingslager erkennst du nicht daran, dass du am letzten Tag völlig zerstört bist.
Du erkennst es daran, dass du danach stärker und motivierter weitertrainieren kannst.
Zusammenfassung
Du brauchst nicht automatisch ein Trainingslager.
Aber ein gutes Trainingslager kann sehr wertvoll sein, wenn Zeitpunkt, Ziel und Inhalt zu dir passen.
Für Anfänger ist es oft vor allem wegen des Lernens und des Erfahrungsaustauschs sinnvoll. Für erfahrene Athleten kann es ein gezielter Trainingsbaustein sein.
Und für alle gilt: Nicht blind kopieren, was andere machen, sondern das Trainingslager so gestalten, dass es zu deinem Leben und deinem Leistungsstand passt.
Wenn du mit der richtigen Erwartung hineingehst, kann ein Trainingslager nicht nur sportlich etwas bringen, sondern auch Motivation, Klarheit und neue Freude am Triathlon.





