Warum brauche ich Feedback, wenn mein Coach meine Trainingsdaten sieht?
Warum brauche ich Feedback, wenn mein Coach meine Trainingsdaten sieht?
Weil ich aus deinen Trainingsdaten viel über deine Leistung erfahre – aber nicht zuverlässig erkennen kann, wie du die Belastung erlebt und verkraftet hast. Dafür brauche ich deine Rückmeldung.
„Du siehst doch meine Einheiten auf Garmin, Strava oder einer anderen Trainingsplattform. Warum soll ich dir dann noch schreiben?“
Eine berechtigte Frage. Strecke, Dauer, Tempo, Leistung und Herzfrequenz helfen mir, dein Training zu beurteilen. Wie sich die Einheit angefühlt hat und was außerhalb des Trainings passiert ist, erfahre ich aber erst durch dich.
Gleiche Zahlen, unterschiedliche Belastung
Stell dir vor, du läufst eine Stunde im geplanten Tempo. Die Herzfrequenz liegt im erwarteten Bereich. Auf der Plattform sieht alles gut aus.
Vielleicht war es ein entspannter Lauf. Du hattest leichte Beine und hättest problemlos länger laufen können.
Vielleicht musstest du dich aber vom ersten Kilometer an überwinden. Du hast schlecht geschlafen, hattest einen anstrengenden Arbeitstag und warst anschließend völlig erledigt.
Auf dem Bildschirm können beide Einheiten sehr ähnlich aussehen. Für die Planung der nächsten Tage macht dieser Unterschied viel aus.
Ich sehe die Abweichung – aber nicht automatisch den Grund
Warum hast du eine Einheit verkürzt? Fehlte dir die Zeit, warst du erschöpft oder hattest du Schmerzen?
Warum bist du schneller gelaufen als geplant? Fühltest du dich besonders gut, warst du mit einer Gruppe unterwegs oder war meine Vorgabe unklar?
Ohne Rückmeldung müsste ich den Grund erraten. Dabei führen unterschiedliche Ursachen zu unterschiedlichen Entscheidungen.
Wenn eine Einheit ausfällt, müssen wir sie beispielsweise nicht automatisch nachholen. Wir sollten verstehen, warum sie ausgefallen ist. Mehr dazu findest du im Beitrag Muss ich eine ausgefallene Trainingseinheit nachholen?
Dein Gefühl ist eine wichtige Information
Auch wissenschaftlich gibt es gute Gründe, das persönliche Empfinden ernst zu nehmen. Eine systematische Übersichtsarbeit von Saw und Kollegen zeigte, dass subjektive Angaben zu Wohlbefinden, Müdigkeit und Stress auf Veränderungen der Trainingsbelastung häufig empfindlicher und konsistenter reagierten als die untersuchten objektiven Messwerte.
Dabei ging es um strukturierte Selbstauskünfte, nicht um einen Vergleich aller heutigen Sportuhren. Für meine Arbeit unterstreicht das: Deine Wahrnehmung liefert zusätzliche Informationen, die ich zusammen mit deinen Trainingsdaten einordnen möchte.
Eine vollständig absolvierte Trainingswoche ist deshalb nur ein Teil des Bildes. Ich möchte auch wissen, wie gut du sie verkraftet hast.
Was sollst du mir schreiben?
Du brauchst keinen langen Bericht. Ein paar ehrliche Sätze reichen:
- Wie anstrengend waren die Einheiten für dich?
- Wie hast du dich danach und am nächsten Tag gefühlt?
- Gab es Schmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit oder andere Probleme?
- Was hast du verändert – und warum?
- Passen die kommenden Einheiten zu deinen Terminen?
Zum Beispiel:
„Die Radintervalle liefen gut. Die letzte Wiederholung war hart, aber kontrolliert. Beim Lauf am nächsten Tag waren die Beine noch schwer. Donnerstag habe ich beruflich nur 30 Minuten Zeit.“
Damit kann ich konkret arbeiten. Auch positive Rückmeldungen helfen: Wenn du dich gut erholst, Fortschritte bemerkst oder eine Einheit besonders gut funktioniert hat, möchte ich das ebenfalls wissen.
Schmerzen oder auffällige Beschwerden meldest du bitte zeitnah und wartest damit nicht bis zum Wochenfeedback.
Feedback gehört zum Coaching
Du musst dich bei mir nicht für eine ausgefallene Einheit rechtfertigen. Ich brauche deine Rückmeldung, damit wir einen Plan entwickeln, den du umsetzen und gut verkraften kannst.
Schau deshalb schon beim Erhalt deines Trainingsplans, ob du die Einheiten verstehst und sie in deinen Alltag passen. Wenn sich etwas verändert, du mehr machen möchtest oder eine Vorgabe unklar ist: Melde dich.
Wenn ich nichts von dir höre, gehe ich zunächst davon aus, dass alles wie besprochen funktioniert. Das ist eine Arbeitsannahme – keine Gewissheit über dein Befinden. Deshalb gehört regelmäßiges Feedback für mich zum individuellen Triathlon-Coaching.
Die Plattform zeigt mir, was du gemacht hast. Du erklärst mir, wie es dir dabei ging. Gemeinsam bilden diese Informationen die Grundlage für deinen nächsten Trainingsplan.
Quelle: Saw, Main & Gastin (2016): Monitoring the athlete training response: subjective self-reported measures trump commonly used objective measures: a systematic review. British Journal of Sports Medicine, 50, 281–291. Zur Studie