Triathlon Trainer und Coach - Bennie Lindberg

6. Die Nordic Walking Ausrüstung

Text: Bennie Lindberg - Trainer, Coaching, Nordic Walking, Fitness, Triathlon, Extremsport 

Wie vielfältig Nordic Walking sein kann und wie unterschiedlich sich die Freunde dieser Sportart präsentieren, möchte ich Ihnen nun anhand von zwei Beispielen zeigen. Stellen Sie sich vor: An einem sonnigen Morgen traf ich auf meiner Lieblingsrunde einen etwa 60-jährigen Mann. Er trug einen leuchtend weißen Vollbart und einen ebenso imposanten Bauch spazieren. Meine Sportklamotten wirkten im Vergleich zu seinen -- auf der Höhe der Zeit befindlichen -- Nordic-Walking-Textilien wie traurige Überbleibsel der letzten Altkleidersammlung: Elegant geschnittene Beinkleider und eine Racing-Jacke aus Microfaser wurden, ungemein harmonisch, ergänzt durch ein Ensemble aus Wickelkopftuch mit Haifischmuster, Carbon-Stöcke, Sonnenbrille, Walkman -- und einen verträumten Blick. Herrlich!

Aber auch so kann die Welt im Gehschritt – und natürlich stockschwingend -- erobert werden: Ein Mann um die Vierzig kreuzt am Rothsee meinen Weg. Er trägt traditionelle Wanderbekleidung inklusive straffe, rote Zopfkniestrümpfe und umfasst zwei liebevoll selbstgeschnitzte (!) Stöcke aus Holz, die mit einer Lederschlaufe und einem Griff aus gerafftem Leder ausgestattet sind. Wun-der-voll!

Wir halten fest: Es gibt keinen Nordic Walking-Knigge und daher auch keine Vorschriften, wie ein waschechter Nordic Walker aussehen soll. Möchten Sie wissen, was ich persönlich unter einer Nordic Walking-Minimal-Ausstattung verstehe?

Handfeste Stöcke für genussvolle Ausflüge
Nordic Walking wäre ohne Stöcke nicht Nordic Walking. Vor dem Kauf dieser modernen Gehhilfen gilt es jedoch, die richtige Länge zu ermitteln. Dabei hilft folgende Grundregel: Wenn Sie die Stöcke gerade vor sich in der Hand halten, sollte der Unterarm mit dem Oberarm einen Winkel von 90 Grad bilden. Die optimale Stocklänge in Zentimeter kann nach folgender Formel berechnet werden:

Stocklänge = 0,66—0,7 mal Körpergröße in Zentimeter

Da die Stöcke im Handel in der Regel in Abstufungen von 5 Zentimeter angeboten werden, muss der ermittelte Wert noch abgerundet werden (beispielsweise auf 105-110-115-120-125).

NW Stcke

Eine Alternative zu speziellen Nordic-Walking-Stöcken sind Teleskopstöcke. Sie haben den Vorteil, dass sie von mehreren, unterschiedlich großen Personen benutzt werden können und sich im Handumdrehen an alle Geländeformen anpassen lassen. Außerdem sind sie als Gepäckstück schön klein und sind selbst in winzigen Automobilen problemlos zu verstauen. Achten Sie beim Kauf jedoch darauf, dass Sie qualitativ hochwertige Stöcke erwerben. Schnäppchen strapazieren Ihre Nerven schnell durch dauerhaftes lautes Klappern der ineinander gesteckten Röhren. Außerdem gilt: Je mehr „bewegliche“ Teile Ihr Stock besitzt, desto größer ist auch das Risiko, dass sich Ihr Sportgerät rasch in seine Einzelteile auflöst.

Das beste Material für langen Gehspaß
Wie viel Geld möchten Sie für Ihre Sportgeräte ausgeben? Die billigsten Stöcke sind meist aus Aluminium und Glasfiber. Der Nachteil des Werkstoffs Aluminium ist seine leichte Verformbarkeit. Nach ein paar kraftvollen Einsätzen ist ihre Schönheit passé, denn Schrammen, aber auch Miniaturtäler und -hügel verunstalten ihre Oberfläche. Billige Glasfieber-Stöcke sind oft sehr dünn und zu weich, um die ganze Bandbreite des Nordic Walkings unbeschadet überstehen zu können. Für lockere, entspannte Ausflüge sind sie dennoch brauchbar.

Gute Stöcke bestehen aus stabilem Glasfiber, aus Carbon oder aus Mischungen beider Materialien. Das Verkaufsargument für Carbon ist die angeblich bessere Absorption von Stößen. Diese Empfehlung kann ich leider nicht nachempfinden. Mit einem anderen Testgeher habe ich ein paar schöne Carbon-Stöcke in einer subjektiven Doppelblind-Studie ohne Gummipad auf Waldwegen und mit Gummipad auf Asphalt verglichen. Wir haben beide keinen Unterschied bemerkt. Natürlich sind Carbon-Stöcke leichter und sehen oft sehr attraktiv aus, aber Nordic Walking ist ja keine Wettkampfsportart, für die man leichte Stöcke braucht, um weniger Energie zu verbrauchen und um schneller zu sein. Genau das Gegenteil ist der Fall: Nordic Walker wollen sich im Gelände fordern und dabei in der Regel möglichst viel Energie verbrauchen.
Zu guter Letzt gibt es noch Stöcke, deren Material eine Kombination aus verschiedenen Materialien ist. Meist findet man solche Materialmischungen in Teleskopstöcken (z.B. Aluminium und Carbon). Mein Tipp lautet: Kaufen Sie einen guten Glasfiber-Stock oder einen Stock aus einer Mischung von Glasfiber und Carbon.

Gutes Laufen nur mit guten Schlaufen!
Auch wenn es sich um ein vergleichsweise kleines Detail handelt, ist eine gute Schlaufe für angenehmes und effektives Nordic Walking das A&O. Die exquisitesten Schlaufen ähneln Handschuhen, sind bequem, verursachen keine Blasen und lassen sich verstellen. Außerdem führen sie den Stock gut und leisten damit einen wichtigen Dienst für ein wirkungsvolles Nordic Walking-Training. Es gibt auch Hersteller, die eine abnehmbare Schlaufe entwickelt haben. Sie lässt sich mit nur einem „Klick“ am Stock befestigen, ohne dass man die Hand aus der Schlaufe nehmen muss. Das ist durchaus praktisch, wenn Walker sich mal eben die Nase putzen wollen, die Strickmütze kratzt oder finnische Stechmücken unterm Augenlid kleben.


Alles hat ein Ende. Und Stöcke gleich mehrere.
Das untere Ende des Stocks hat schließlich unmittelbaren Kontakt zum jeweiligen Untergrund, der -- je nach Gelände -- sehr unterschiedlich ausfallen kann. Im Angebot sind verschiedene Stahlspitzen, von denen einige messerscharf sind, andere hingegen präsentieren sich als runde „Schuhe“ mit scharfen Tellerkanten. Stahlspitzen werden auf Schotter und in Gelände mit weniger festem Untergrund eingesetzt, wo sich auch runde und scharfe Exemplare pflichtbewusst ins Gelände „beißen“.

Gummipads
Auf Asphalt kommen Gummipads zum Einsatz. Sie sollten gut an der Stockspitze sitzen, um nicht nach wenigen Metern unauffindbar im Gelände zu verschwinden. Gute „Gummischuhe“ bestehen aus einer Mischung, die fest und stabil ist, Exemplare minderer Qualität verhalten sich wie ein allzu weicher Radiergummi und sind schon nach wenigen Einsätzen abgerieben.

Seit einiger Zeit gibt es auch so genannte Padhalter. Es handelt sich um kleine Klammern, die sich am Stock befestigen lassen. Für hosentaschenlose Zeitgenossen eine praktische Erfindung!
Ein Hersteller bietet auch Kombinationen aus Gummipads und Stahlspitzen an. Es handelt sich um das so genannte Twist & Go-System, bei dem sich der Pad beidseitig nutzen lässt.

Andere „intelligente“ Systeme kombinieren eine gefederte Stahlspitze mit einem Gummipad: Auf weichem Untergrund greift die Spitze automatisch, auf Asphalt versinkt sie im Gummipad und die Gummimischung kommt zum Einsatz.
Bewegen Sie sich meist in Gelände mit relativ einheitlichem Untergrund? Dann sind normale Gummipads und Spitzen ausreichend. Wechseln Sie gerne Ihr Gehrevier und bevorzugen
Sie unterschiedlich anspruchsvolle Geländeformen, könnten Kombi-Aufsätze wie Spitzen mit Pads durchaus sinnvoll sein.

Schuhe
Sie können mit ... oder ohne! Schuhe haben beim Nordic Walking in kühleren Regionen unseres Planeten eine schützende und wärmende Funktion. Doch walken Sie bei passender Gelegenheit, zum Beispiel im europäischen Sommer oder in den Ferien in südlichen Gefilden, einmal barfuß! In meinem letzten Urlaub sind wir mit nackten Füßen am Strand entlang gelaufen. Das ist nicht nur sehr gesund, sondern fühlt sich ganz wundervoll an.

Wenn Sie ein Dickhäuter wären, könnten Sie auch bei uns ganzjährig auf teures sportliches Schuhwerk verzichten. Doch wer es schon einmal versucht hat, weiß, dass ungeschützte Füße uns auf Asphaltstraßen oder Schotterwegen nicht weit tragen. Selbst Finnen empfehlen daher einen Minimalschutz. Erste Wahl sind gut dämpfende Schuhe, deren Sohlen die Abrollbewegung des Fußes unterstützen. Mittlerweile gibt es auch spezielle

Nordic Walking-Schuhe. Sie sehen fesch aus, sind aber im Vergleich zu klassischen Laufschuhen relativ teuer. Im Gegensatz zu Laufschuhen eignen sie sich jedoch nur zum Gehen oder für Nordic Walking. Laufschuhe hingegen sind beim lockeren Joggen und beim Nordic Walken einsetzbar, empfehlen sich aber auch durch meist deutlich niedrigere Anschaffungskosten. Konkrete Ratschläge kann ich Ihnen, ohne Ihre Füße besichtigt zu haben, leider nicht geben. Lassen Sie sich am besten in einem guten Laufsportgeschäft beraten. Hier sollten Sie ein Modell finden, dass nicht nur bequem ist, sondern im Gelände auch ausreichend Stabilität bietet.

Für die Wintermonate können Sie auch ein Paar besonders robuste Schuhe kaufen. Sie sollten wetterfest (zum Beispiel mit einer Goretex-Membran ausgestattet) und knöchelhoch sein, denn damit laufen Sie auch in tieferem Schnee oder auf ungeräumten Straßen gut. Sie haben orthopädische Probleme? Lassen Sie sich vor dem Schuhkauf von einem Orthopäden untersuchen und beraten.

Dies und das: Hübsche und nützliche Kleinigkeiten für Nordic Walker
Stöcke, Stockaufsätze, Schuhe, Hemd und Hose – das ist die Grundausrüstung für Nordic Walker. Jetzt können Sie losgehen, denn mehr brauchen Sie eigentlich nicht. Natürlich werden Sie andere Nordic Walker sehen, die „aufgerüstet“ haben, doch kommen Sie auch mit der Basisausstattung bestens zurecht und haben garantiert viel Spaß. Wenn Sie wollen und das nötige Kleingeld haben, können Sie sich natürlich auch von den Angeboten der brandneuen Nordic Walking-Abteilung im Sportartikelgeschäft um die Ecke verführen lassen. Kleine Accessoires „nur für Nordic Walker“ motivieren Sie vielleicht, verdecken unter Umständen dachsgraue Schläfen oder eine hohe Stirn, machen Sie aber auf jeden Fall bunter, fröhlicher und etwas schwerer. Einige Accessoires schützen Sie auch vor den Gefahren finnischer Winter oder ägyptischer Sommer.

NW Aurstung

Handschuhe leisten in der kalten Jahreszeit gute Dienste. Sie schützen aber auch ganzjährig besonders zarte Hände und verhindern, dass die Stockschlaufe empfindliche Haut wundreibt.

Spezielle Funktionsbekleidung ist eine gute Wahl, wenn Sie bei kälterem Wetter viel schwitzen. In den warmen Sommermonaten ziehe ich Baumwolle vor, da sie besser kühlt.

Ein Trinkgurt fixiert Getränke an Ihrer Hüfte und ist daher eine hilfreiche Erfindung. Wenn Sie bei Hitze längere Nordic Walking-Touren unternehmen oder unterwegs keine Trinkmöglichkeiten vorhanden sind, leistet er gute Dienste.

Sonnenbrillen mit gutem UV-Schutz sind bei längeren Touren in intensivem Sonnenschein nützliche Begleiter. Wer kein Nasenfahrrad mag, kann sich auch von der Krempe eines kleinen Sonnenhuts aus Baumwollstoff oder einer Schirmmütze beschatten lassen.

Daheim oder im Feriendomizil schützt Sie wasserfeste Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor vor unbarmherziger Sommersonne.

Laufen Sie gerne in der Dämmerung oder gar nachts? „Nachteulen“ bewegen sich mit Stirnlampen und Reflektoren an der Laufkleidung durch die Dunkelheit.

Wie wär’s mit Klängen aus dem Walkman/Radio? Mit guter Musik im Ohr können Sie Ihre Walking-Einheit aufpeppen. Isolation von der Außenwelt ist aber nicht Jedermanns Sache – das Gros der Walker liebt Natur pur.

Mit einem Handsfree-Set können Sie beim Walking-Ausflug erreichbar bleiben und sind auch für eventuelle Notfälle gerüstet.

Pfefferspray kann insbesondere Frauen ein sicheres Gefühl vermitteln, wenn sie allein im Wald unterwegs sind. Zusätzliche Sicherheit bieten zwei scharfe Stockspitzen!

Pulsmesser sind gute technische Geräte zur Trainingssteuerung.