Triathlon Trainer und Coach - Bennie Lindberg

2. Nordic Fitness – warum es sich lohnt, in Bewegung zu bleiben

Text: Bennie Lindberg - Trainer, Coaching, Nordic Walking, Fitness, Triathlon, Extremsport

Sie und ich, wir haben großes Glück mit unserer gegenwärtigen Existenz! Unser Schädel versteckt unter mehr oder weniger üppigem Bewuchs reiches Innenleben, dessen phänomenal arbeitendem unsichtbarem Teil wir den Namen Homo sapiens verdanken. Der Mensch denkt, und diese Begabung ermöglicht uns eine Menge erfreulicher Dinge: Sie hilft uns, Problemen rechtzeitig aus dem Weg zu schleichen, in aller Ruhe mögliche Lösungen abzuwägen, und schließlich eine Entscheidung für die sinnvollste oder angenehmste Reaktion zu treffen. Manchmal bringt uns dieses Talent aber auch in Schwierigkeiten. Das war damals, als wir noch in abenteuerlicher Nachbarschaft mit angriffslustiger Fauna lebten, ganz anders.

In jenen frühen Zeiten der Menschheitsgeschichte, als Dolce Vita und Easy Living noch nicht erfunden waren, huschten und werkelten unsere Vorfahren – kleine, noch großzügiger behaarte Menschlein -- unermüdlich herum. Sie sammelten fleißig allerlei Essbares und legten während ihres Dauerlaufs aus unterschiedlichen Gründen beachtliche Zwischenspurts ein. Wie Sie sich vorstellen können, kostete so ein Leben viel Energie -- und Energie war Mangelware.

Muskeln einsatzfähig zu halten, ist für den menschlichen Körper eine aufwändige und teure Angelegenheit. Denn je mehr Muskeln wir haben, desto mehr Nahrung brauchen wir. Dem Konstrukteur dieses wunderbaren Bauwerks sei Dank: Die Natur entwickelt nur jene Muckis zu voller Pracht, die der Mensch für seine Aktivitäten auch wirklich braucht. Das bedeutete für den Urmenschen: Ein Jäger bekam schnelle und ausdauernde Beine, ein Steinhauer einen kräftigen Oberkörper, und ein Häuptling, der hauptberuflich sitzen und nachdenken musste, einen breiten Hintern.

„Immer mit der Ruhe“ ist das Motto eines weiteren, körpereigenen Energiespar-Konzepts: Ein natürlicher Bremsmechanismus mit speziellem Trägheitsmoment verhindert unnötige und übermäßige Bewegungen. Was das für Sie und mich bedeutet, lässt sich am besten an einem aktuellen Beispiel erklären: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie zu einem morgendlichen Dauerlauf aufbrechen? Müde, schlapp, und fast ein wenig kränklich? Dann erleben Sie das klassische „Startsyndrom“, das auch ich sehr gut kenne. Dieses unangenehme und stark verunsichernde Gefühl beginnt, wenn Sie die Türschwelle Ihrer Behausung passieren und sich langsam in Bewegung setzen. Ein schwerer, ungelenker, nahezu komatöser Körper, signalisiert Ihnen auf den ersten Metern, dass er den geplanten Dauerlauf nur noch kurze Zeit überleben wird. Doch Sie trotzen den Widrigkeiten, beschließen durchzuhalten -- und plötzlich laufen Sie locker und leicht, und die Sache beginnt tatsächlich Spaß zu machen!

Blicken Sie auf die Uhr und Sie werden feststellen, dass Ihre „Bremse“ sich nach etwa zehn Minuten löst. Was ist passiert? Sie haben sich eingelaufen und in dieser Zeitspanne das Trägheitsmoment überwunden. Für Ihren Körper war die etwa zehnminütige Bewegungsdosis und der damit verbundene, konstant erhöhte Energieverbrauch, das Signal zum Umschalten von Ruhelevel auf Aktivprogramm. Um es auf den Punkt zu bringen: Sie haben Ihre Faulheit besiegt und werden mit Wohlbefinden beschenkt!

Ausgeklügelte Strategien hat unser Körper auch zur Sicherung der Nahrungszufuhr entwickelt. Sie und ich können ein Lied davon singen, schmecken uns doch oft genau jene Lebensmittel am besten, die auch die meisten Kalorien enthalten. Süß und fett sollte es sein, wenn unser Körper – in weiser Voraussicht auf eine nahe Energiekrise -- entscheiden dürfte. Die Urmensch-Instinkte führen uns bei der Nahrungsauswahl in die Irre, denn sie geben im modernen Schlaraffenland die falschen Impulse.

Was haben Urmenschinstinkte und Trägheitsmomente mit Nordic Walking zu tun? Eine ganze Menge! Wenn wir nicht wissen, wie unser Organismus funktioniert und was er für den reibungslosen Ablauf seiner Funktionen benötigt, können wir die Bedeutung von (maßvoller) körperlicher Aktivität nicht verstehen. Damit die körpereigenen „Urprogramme“ auch heute noch sinnvoll wirken können, braucht der Mensch nicht viel: Sie müssen weder Marathon laufen noch stundenlang im Fitnessstudio schwitzen. Regelmäßige Bewegung, wie sie insbesondere beim Nordic Walking ganz unkompliziert stattfindet, ist eine tragfähige Grundlage für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden. „Volkskrankheiten“ wie Rückenleiden, Herz-Kreislauf-Störungen, Diabetes und Übergewicht, können Sie mit sinnvoll dosierter Bewegung in der Natur aktiv entgegenwirken. Die damit verbundene verbesserte Durchblutung des gesamten Körpers steigert auch Ihre Produktivität und Ihre Lebensfreude.