Triathlon Trainer und Coach - Bennie Lindberg

Erfolgsstory

Hier die Erfolgstorys von Nadine und weiter unten von Benni!

NADINE T.– Ich traue mich jetzt „Triathletin“ zu nennen

NaddlAdEx

„Hallo Bennie, ich bin Nadine, 31 Jahre alt, aus Schwabach und ich könnte deine Hilfe gebrauchen!“  - mit diesem Satz begann meine erste E-Mail an Bennie am 13.09.2015.

Aber warum brauchte ich Bennie's Hilfe? Ich war total festgefahren und ehrlich gesagt verdammt verzweifelt; ich hatte die Hoffnung, dass Bennie als Trainer Struktur in mein Leben bringen kann, ich selbst war nicht mehr in der Lage dazu.

Mit knapp über 30 hat jeder schon viele unschöne Erlebnisse hinter sich und sein berühmtes „Päckchen“ zu tragen. Statt dem Päckchen ziehe ich seit Jahren einen Laster hinter mir her, der irgendwie immer voller wurde. Extrem schwierige Familienverhältnisse und verschiedene Traumata in Kindheit und Jugend, die ich nie verarbeiten konnte, führten schon relativ früh, ich war so etwa 18, zu schweren Depressionen und einer Essstörung. Ich wusste damals allerdings weder etwas über Depressionen und schon garnichts über Essstörungen: ich hab einfach den lieben langen Tag „gefressen“, irgendwann das Haus nicht mehr verlassen, hatte keinerlei soziale Kontakte mehr und den ganzen Tag Online-Games gespielt. Nicht nur meine langjährige Beziehung ging dadurch in die Brüche, ich war auch nicht in der Lage meine erste Ausbildung zu beenden und stand dann irgendwann alleine, ohne Job und Zukunftsperspektive da.

Es startete eine Odysee, oder wie ich es gerne nennen möchte: ein Höllenritt, über fast 10 Jahre. Die Depressionen bin ich, trotz professioneller Hilfe, nie losgeworden, mein Essstörungs-Repertoire hab ich um die Bulimie erweitert (15 mal täglich kotzen war ganz normal), mit meiner Familie habe ich gebrochen, zu meinen Freunden habe ich die Verbindung verloren, Partner hatte ich keinen. Zwar konnte ich immer wieder alleine aufstehen, habe gekämpft, doch dann bin ich wieder hingefallen - bis hin zum absoluten Tiefpunkt meines Lebens im Jahr 2013. Ich konnte nicht mehr leben, ich wollte nicht mehr leben - nur wegen eines "technischen Defekts" kann ich heute diese Geschichte schreiben, die für mich persönlich wirklich eine "Erfolgsstory" ist. Und falls auch nur eine Person, der es ähnlich wie mir damals geht, Hoffnung aus meiner Geschichte schöpfen kann, hat sich meine Offenheit bereits gelohnt - denn nur eine handvoll Menschen wissen tatsächlich über meinen Hintergrund Bescheid, meine Essstörung habe ich jahrelang erfolgreich versteckt.

Und wie genau bin ich nun bei Bennie gelandet? 2014 hatte ich durch Sport bereits eine Menge abgenommen, habe die Liebe zum Laufen entdeckt. Anfang 2015 kam ich das erste Mal überhaupt mit Triathlon in Berührung, als Zuschauer und Supporter - für mich waren das alles total verrückte Menschen, ich war voller Bewunderung. Mitte 2015 startete ich in einen neuen Job und es war die totale Katastrophe - meinen Frust hab ich durch tägliche Essanfälle kompensiert (in Zahlen waren das täglich so zwischen 7000-10000 Kalorien), konnte mich nicht mehr zum Sport motivieren und fiel körperlich und mental in ein tiefes Loch - zum gefühlt millionsten Mal. Doch ich wollte das nicht! Ich wollte aktiv sein, ich wollte sportlich sein, ich wollte nicht von meiner Essstörung und den Depressionen kontrolliert werden - ich wollte LEBEN! Über soziale Netzwerke wurde ich dann auf Bennie aufmerksam und so kam es zu meiner Mail am 13.09.15, in der ich ihn ganz offen um Hilfe gebeten habe.

Nach der Mail gab es direkt ein persönliches Treffen und ich mochte den Finnen von Anfang an echt gern! Ich habe ein bisschen von mir erzählt, aus meinem Leben und von meinen Problemen - weder schockiert, noch abgeschreckt hat sich Bennie der Herausforderung gestellt und mich als Athletin in seinen "Kader" aufgenommen. Es war ihm, denke ich, auch klar, dass es keine einfache Aufgabe sein wird - mit "Pläne schreiben" war es bei mir nicht getan, da musste sämtliches Feingefühl aus Bennie's Fingern gesogen werden und Geduld war gefragt. Mein erklärtes Ziel für 2016 war der Rothsee-Triathlon - die Olympische Distanz. (eigentlich der Sprint, aber hey: laut Bennie motivieren größere Ziele mehr :)) Das Training ging quasi bei 0 los - ich war monatelang nicht gelaufen, ewig nicht auf dem Rad gesessen und hab im Leben noch nie gekrault. Das Kraulen habe ich nebenbei in einem Anfänger-Kurs gelernt, Bennie hat für den Rest gesorgt: walken, radeln, Krafttraining und Stabi standen auf dem Plan und brachten mich schon anfangs ziemlich an meine (absolut unsportlichen) Grenzen. Für mich war die Arbeit mit einem Trainer ja völliges Neuland, ebenso mit einem Trainingsplan, weshalb ich desöfteren schon völlig überfordert war. Andererseits hatte ich das Gefühl, es nicht für mich, sondern für Bennie zu machen - war natürlich Quatsch, aber allein der Gedanke hat mir anfangs unheimlich geholfen und mich motiviert: ich darf meinen Trainer nicht enttäuschen!

Ziemlich schnell stellten sich natürlich Erfolge ein: es wurde länger, ich wurde schneller, ich wurde stärker. Ich hatte jedoch immer wieder Wochen dabei, in denen ich nichts auf die Reihe bekommen habe - die Depressionen kamen in Wellen, die Essanfälle waren allgegenwärtig und warfen mich im Training immer und immer wieder zurück. Ich habe über all das immer offen mit Bennie gesprochen, hatte sogar Angst, dass er mich irgendwann "rausschmeißt", weil ich ein hoffnungsloser Fall bin. Immer wieder saß ich weinend bei Bennie zu Hause, auf der "Therapie-Couch", und immer wieder hat er mir gut zugeredet, war geduldig und hat mich nicht aufgegeben. Sauer wurde Bennie nur, wenn ich mich nicht an die Verabredung gehalten habe: wenn es mir schlecht geht, wenn ich einen Essanfall ausleben möchte, wenn ich Trainingseinheiten ausfallen lasse - ich soll mich sofort bei ihm melden, soll anrufen, soll schreiben. Ich war bis heute leider nicht in der Lage, dieses Angebot wahrzunehmen, obwohl Bennie es mir seither ca. 100 mal angeboten hat bzw. sogar darauf bestanden hat.

Über mein neues Team, über Trainingstage wie z. B. den Longest Day, traf ich andere Athleten, "richtige" Triathleten und diese schüchterten mich unglaublich ein. Zwar wog ich keine >110kg mehr, doch war ich immernoch ziemlich dick und einfach langsam; ich hab mich wie ein Außenseiter gefühlt und als hätte ich kein Recht darauf, diesen "elitären Sport" auszuüben. Ich habe also an vielen Ecken gekämpft und das Jahr war wirklich hart. Ich stieß immer wieder an meine Grenzen, war ausgelaugt, mein Körper war am Ende, mein Kopf wolle sich ausruhen, doch es ging immer weiter und weiter und im Juni 2016 finishte ich tatsächlich, nach einem abenteuerreichen Jahr, meinen ersten Triathlon. Es war bombastisch! Ich bin geschwommen, ich bin geradelt und 9,5km lang mit Oberschenkelkrämpfen gelaufen - doch ich hätte niemals aufgegeben! Ich wollte durch diesen Zielbogen und das habe ich geschafft und war damit auch einer der verrückten Menschen :)

Ich glaube, dass auch Bennie echt stolz auf mich war. Er trainiert Spitzenathleten und die verschiedensten Extremsportler, doch er verliert nie den Background der Athleten aus den Augen, wo man "herkommt" und schafft es deshalb, seine Erfolge nicht nur an Topplatzierungen zu messen, sondern auch an individuellen Zielen - so war das finishen eines Triathlons, der olympischen Distanz, für mich mit meiner Historie schon ein kleines "Wunder".

Doch wie sich zeigte, konnte dieses Wunder gleich im nächsten Jahr getoppt werden! Hochmotiviert habe ich mir neue Ziele gesucht, Wettkämpfe für 2017 - es sollte der Challenge Roth in der Staffel sein, ich wollte radeln. (mach ich am liebsten!)

Und Mika Timing sei Dank hatte ich nach erfolgreicher Online-Anmeldung einen Einzelstarterplatz und keinen Staffelplatz - NA TOLL! Ich habe die Leidenschaft für den Triathlon entdeckt und wollte den Sport unbedingt weiter machen - doch eine Langdistanz stand nicht mal annähernd auf meiner Bucketlist, auch nicht in weiter Ferne. Sportler, die das machen, sind schon nicht mehr verrückt, sondern völlig geisteskrank :) Aber was... wenn der Einzelstart nun Schicksal ist? Wie könnte ich denn die Herausforderung nicht annehmen, wo doch jedes Jahr unzählige Triathleten weltweit vergebens auf einen Startplatz hoffen? Was hab ich gemacht? Richtig - meinen Trainer angerufen und gefragt, was der denn davon hält. Und Bennie's simple Antwort, die sich im Nachhinein auch als völlig richtig erwiesen hat: "wird ein hartes Jahr, aber ist machbar!". Also gut, CHALLENGE ACCEPTED! Natürlich nicht, ohne vorher abzuchecken, inwiefern ich denn zurück treten und möglichst viel meines Startgelds wieder bekommen kann :P Bis Ende April war dies möglich und ich bin mit der Einstellung ins Training gegangen, dass ich mich definitiv Ende April wieder abmelden werde, aber das Training bis dahin ja mal durchziehen kann. Dementsprechend habe ich so gut wie niemanden in mein Vorhaben eingeweiht - ich wollte nicht, dass die Leute mitbekommen, wie ich einen Rückzieher mache.

Ende September 2016 ging es also los mit Grundlagen schaffen und ich wurde erstmal 6 Wochen durch eine Bronchitis gebremst... das erste Mal machte sich Panik breit - nicht genug Zeit, wie soll ich das schaffen, mimimi. Bennie's Antwort "immer schön ruhig bleiben, Baby". Nachdem die Krankheit ausgestanden war, ging es wirklich richtig los mit dem Training! Naja, zumindest bis ich Ende Januar mal wieder im tiefen Loch war: "warum mach ich das überhaupt? Ich krieg das sowieso nicht auf die Reihe! Ich bin langsam, ich bin schlecht" usw. Nach einer Woche, in der ich das komplette Training geschwänzt hatte, hat mir Bennie dann ordentlich den Kopf gewaschen. Und ab da lief es dann wie am Schnürchen: 4-5 super geile Trainingsmonate, ich konnte richtig durchziehen und habe unglaubliche Fortschritte gemacht. Was mir unglaublich dabei geholfen hat: ich hab es geschafft, die "Fastenzeit" für mich zu nutzen und konnte komplett auf Süßigkeiten, Kuchen, Eis usw. verzichten. Mein Körper hat es mir gedankt - weshalb ich das dann erfolgreich bis kurz vorm Challenge durchziehen konnte: das erste Mal in 15 Jahren konnte ich dem Zucker abschwören, ein geiles Gefühl. Ich merkte: ich WILL das, ich will die Langdistanz finishen und hab mir mit Gänsehaut immer wieder den Zieleinlauf vorgestellt.

Ein Highlight vorm Challenge war definitiv mein Radlurlaub in Malle mit einer Freundin. Ich war zuvor nie wirklich im Urlaub, hab mich gefreut wie verrückt. Auf Malle selbst ging es mir super: "Life is good", dachte ich mir und wusste, wie meine Zukunft aussehen soll; ich möchte aktiv sein, möchte raus, mich bewegen, was erleben - eine unglaubliche Erfahrung für mich.

Natürlich plagten mich, trotz der erfolgreichen Trainingsmonate, immer wieder mächtig Zweifel und ich hatte Tiefs. Das größte Problem hatte ich mit dem Laufen... bin ich doch von Grund auf ein relativ schlechter Läufer, so ließ mich Bennie auch nicht wirklich weit laufen - zurecht, wie ich heute sagen kann, die Verletzungsgefahr war wirklich groß für einen Anfänger wie mich, der die Umfänge zu schnell gesteigert hätte. Zwei Wochen vorm Challenge startete dann das Tapern.... verdammt, wo war all die Zeit geblieben? Ich war nicht soweit, definitiv! Und was ich außerdem war: ausgelaugt, körperlich und mental. Ich hatte keinen Bock mehr: ich hatte keine Lust mehr auf mein Rennrad, ich hatte genug von Schwimmbädern und die Blasen an meinen Füßen hielten mich vom Laufen ab. Stabi, Krafttraining - mir hats einfach gereicht! Und auf Challenge hatte ich auch keinen Bock! So früh aufstehen, so weit schwimmen, heiß soll es werden und an den Marathon konnte ich garnicht ohne Panikanfälle denken... auf was hatte ich mich da nur eingelassen? Mittlerweile waren aber einige in meinem Umfeld eingeweiht, Arbeitskollegen, Bekannte - ein Rückzieher war also nicht drin.

Also hab ich mich, mittlerweile war die Lust auch wieder da, Kopf über in das Challenge Wochenende gestürzt: von Donnerstag Startunterlagen abholen, über Pasta-Party, Expo, Wettkampfbesprechung, Bayern-3-Party, Schwimmen im Kanal - ich wollte alles aufsaugen, mitnehmen, genießen! Und dann kam der Raceday!

Schlecht war mir morgens, das Frühstück kam immer wieder hoch und ich war besorgt, irgendwas vergessen zu haben. Als ich dann aber 30 Minuten vor meinem Start in der Wechselzone stand, die Menschenmassen gesehen hab, da wurde ich ganz ruhig.. ein paar Tränchen hab ich verdrückt, die Stimmung ist einfach unbeschreiblich und dann wollte ich einfach nur noch, dass es endlich los geht. MEIN TAG, auf den ich so lange trainiert habe und so hart dafür gekämpft hab! Und es war ein bombastischer Tag, der definitiv beste meines Lebens! Es war hart, es tat weh, es war blutig - doch ich hätte niemals, NIEMALS, aufgegeben - ich habe genau das gemacht, was mir Bennie immer wieder gesagt hatte: GENIESS ES! Ich habe die Stimmung inhaliert, habe mich feiern lassen, habe andere gefeiert und angefeuert, hatte so unglaublich viel Unterstützung an der Strecke (ich danke euch allen so sehr!!), bin Berge hochgetanzt, hab jedem abgeklatscht, mich bei jedem fürs Anfeuern bedankt und war einfach happy. Und ja, ich hab das verdammte Ding gefinisht und ich bin unglaublich stolz!! Ich habe selbst NIE an mich geglaubt, doch andere, vorallem Bennie, taten es von Anfang an.

Doch was nach diesem wirklich verrückten Jahr bleibt, ist noch viel mehr wert: durch den Sport konnte ich offener werden, selbstbewusster; ich habe Freunde gewonnen, auf die ich mich bedingungslos verlassen kann und die an mich glauben. Ich habe ein anderes Gefühl für meinen Körper bekommen, ab und an (wenn auch selbst ;)) finde ich mich sogar "ganz ok". Ich traue mich jetzt, mich "Triathletin" zu nennen und habe mit dem Sport einen "Ort" gefunden, an dem ich gerne bleiben möchte.

Natürlich ist jetzt nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen: ich kämpfe weiterhin gegen die hartnäckigen Depressionen, gegen unglaubliche Selbstzweifel, die Essstörung (die mich ein Leben lang begleiten wird) und gegen mein "altes" Leben. Doch mit der Unterstützung all der tollen Menschen, die ich über den Triathlon kennengelernt habe und mit der Unterstützung meines verrückten Trainers werde ich "auf Kurs" bleiben und freue mich schon auf all die Abenteuer, die der Triathlon mit sich bringt und die noch vor mir liegen.

 

BENEDIKT S. - Vom Couch Potato zur Renn Pommes

Ich werde heute von Freunden und Bekannten immer wieder gefragt wie ich es geschafft habe oder wie ich die Motivation dafür aufbringe. Eine richtige Antwort kann ich auf diese Frage nicht geben. Außer „Ich habe es einfach gemacht“. Das ist glaube ich auch der Schlüssel zu allem. Etwas einfach machen, auch wenn es 1000 Gründe dagegen gibt oder auch nur einen.

2006 begann ich eine nebenberufliche vierjährige Weiterbildung zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker. Den täglichen Stress in dieser Zeit kompensierte ich leider mit Essen.

Ich war zwar auch vor 2006 nicht schlank, aber nach vier Jahren Grundig Akademie schloss ich nicht nur die Prüfung erfolgreich ab, sondern hatte mir auch ein Gewicht von 123kg angefuttert.

BenniSpang

2011 lernte ich dann Bennie Lindberg bei einer Radtour kennen. Sie war als „lockere Radtour ins Grüne“ ausgeschrieben. Heute würde ich das wohl auch so beschreiben. Damals war es für mich die härteste Radtour meines Lebens.

Nach 60 Kilometern saß ich völlig erledigt und sprachlos am Boden. Ich konnte kein Wort mehr sagen und im Nachhinein war dies ein Schlüsselerlebnis, denn ohne dieses, hätte ich mit dem Sport nicht angefangen.

Ab hier begann ich mit dem Mountainbike zu trainieren und auch Gewicht zu verlieren. Anfangs ging dies natürlich sehr schnell und auch meine Leistung am Rad wurde immer besser. Bennie hatte mir auch hier einige Tipps zum Thema Ernährung und Training gegeben. Was mir auf jeden Fall geholfen hatte. Da ich mir früher überhaupt nicht bewusst war, was eigentlich eine gesunde Ernährung heißt und wie viel Kalorien ich am Tag zu mir nehmen darf. Anfang 2012 brachte ich dann noch ca. 108kg auf die Waage.

Im April 2012 wurde ich gefragt ob ich am Rothsee Triathlon als Staffel Radfahrer starten möchte. Ich sagte natürlich „Ja“. Nach dem ich keine Ahnung hatte wie weit eine Olympische Distanz ist und was man dazu braucht, musste ich dies erst einmal nachlesen. Ergebnis: Ich brauche ein Rennrad. Bennie riet mir hier ein gebrauchtes zu kaufen. Dies war auch kein Problem und eine Woche später hatte ich mir eines gekauft. Im Juni 2012 war es dann soweit und der erste Wettkampf stand an. Die 42km Radfahren waren natürlich klasse und schon im Wettkampf überlegte ich mir wie es weiter geht und kurz darauf entschied ich mich dafür, mich im nächsten Jahr zum Einzelstart anzumelden.

Leider stand ich hier vor zwei Problemen, ich bin bis dato noch nie einen Kilometer gelaufen und ich konnte nicht Kraulen. Also rief ich Bennie an, denn er war auch unser Firmen Coach und so schloss ich mich kurzerhand unserer Lauf- und Schwimmgruppe an.

Ich besprach mit Bennie meine Pläne und das ich in einem Jahr Laufen und Schwimmen lernen muss, um den Rothsee Triathlon zu meistern. Er meinte das Laufen und schwimmen sei nicht das Problem, er hat mich bis dahin allerdings auch nicht schwimmen sehen, aber eine Bedingung war es noch Gewicht zu verlieren. Also bekam ich eine weitere Ernährungsberatung und hielt mich dann auch daran.

Mein erstes Schwimmtraining mit Bennie war durchwachsen bis deprimierend. Ich war zwar noch nie ein guter Schwimmer gewesen aber überwasserhalten konnte ich mich. Allerdings war nach der ersten Unterrichtsstunde klar, dass das Schwimmen wohl die größte Hürde darstellten würde. Damit mein Ziel „Einzelstart beim Rothsee Triathlon“ nicht in weite Ferne Rückte ging ich also drei Mal die Woche ins Schwimmbad.

Zwischenzeitlich hatte ich mich dann noch als Radfahrer für die Challenge Roth angemeldet, da wir für eine Firmenstaffel noch einen Mitstreiter benötigten.

Meine ersten Kilometer lief ich mit meiner Frau zusammen. Hier kam es mir wohl entgegen, dass ich vom Radfahren schon etwas Kondition hatte. Von echten Laufen oder Joggen konnte man hier allerdings noch nicht sprechen. Aber ich lief ab jetzt Wöchentlich bei unserer Firmen Laufgruppe mit und versuchte dran zu bleiben. Was mir mehr oder weniger gut gelang.

Die Zeit verging und auch meine Leistung beim Schwimmen, Radfahren und Laufen wurde besser. Mein Gewicht hatte ich bis zum Rothsee Triathlon auf ca. 90 Kg gebracht. Beim Wettkampf lief dann alles perfekt und ich fing an mit dem Gedanken zu Spielen bei der Challenge als Einzelstarter anzutreten. Aber erst einmal stand noch der Staffelstart als Radfahrer bei der Challenge in Roth an.

Mein erster Staffelstart bei der Challenge war natürlich überwältigend und ab Kilometer 120 wurde mir auch klar, das selbst ein Staffelstart auf der Langdistanz (180km) eine andere Hausnummer ist als ein Einzelstart bei der Olympischen Distanz. Aber trotzdem stand beim Zieleinlauf meine Entscheidung eigentlich schon fest.

Die Entscheidung zum Einzelstart bei der Challenge Roth traf bei meiner Familie nicht auf große Begeisterung, da das Training für die Olympische Distanz und für den Staffelstart bei der Challenge schon viel Zeit in Anspruch nahm. Aber ich hielt daran fest und auch meine Frau gab irgendwann ihr OK dazu. Also ging der nächste Weg zu Bennie, er sagte mir, dass es in einem Jahr möglich ist aber ein ganzes Stück Arbeit bedeutet und es nicht immer Spaß machen wird. Auch soll meine Familie hinter dieser Entscheidung stehen, da ich ohne Unterstützung dem ganzen nicht gewachsen sein werde. Ich besprach das nochmals mit meiner Familie und dann stand der Entschluss endgültig fest, der Einzelstart bei der Challenge Roth 2014 kann kommen. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar wie Hart die ganze Sache wirklich wird.

Im Herbst und Winter fing es noch ganz locker an. Zwei Mal die Woche Schwimmen, ein bisschen Laufen und Radfahren. Ab März wurden die Umfänge dann merklich größer und so langsam dämmerte mir das es noch richtig hart werden würde.

Zwei Tage blieben mir bei meiner Vorbereitung besonders in Erinnerung.

Das erste war ein Koppeltraining mit vier Stunden Radfahren und 15 Minuten laufen. Koppeltraining war mir bereits von meiner Vorbereitung zur Olympischen Distanz bekannt und vier Stunden Radfahren war ich auch schon des Öfteren. Aber danach noch laufen? Und so kam es das ich nach 10 Minuten laufen völlig erschöpft am Boden kniete und dagegen ankämpfte mich nicht zu übergeben. Diese Trainingseinheit stand jetzt fast jede Woche an und es klappte von Mal zu Mal besser. Mittlerweile hatte ich auch ein Gewicht von 83 Kg erreicht.

Der zweite Tag, welcher mir in Erinnerung bleibt, war der „Longest Day“ von Bennie. Eine Wettkampfsimulation bei der bis zu 3km geschwommen, 120km Rad gefahren und 20km gelaufen werden. Schön ist das man hier auf kleinen Runden Rad fährt und läuft und so nie alleine ist. Allerdings war das auch der erste Tag an dem ich zu zweifeln begann, ob ich die Challenge Roth wirklich schaffen würde.

Die Trainingsumfänge stiegen weiter an, der 20. Juli rückte näher und es wurde ernster. Vier Wochen vor der Challenge hat Bennie mein Ernährungskonzept auch endlich abgesegnet und auch sonst alles bis ins Detail mit mir geplant. So schrieb ich einen Ablaufplan für den gesamten Wettkampf und sprach alles mit Bennie durch. Der Plan fing mit dem Aufstehen an und Endete mit der letzten Versorgungsstelle. Auch Übungen wie Rennradschlauch wechseln standen noch an.

Endlich war es soweit und am 20. Juli 2014 um 3:30 Uhr klingelte der Wecker und es ging auf zum Schwimmstart. Insgesamt zwei Jahre Vorbereitung mündeten in diesem Tag und es wurde ein toller Tag. Der Schwimmstart war bereits ein überwältigender Moment, aber selbst heute knapp ein Jahr danach bekomme ich noch Gänsehaut wenn ich die Start Musik höre. Meine Freunde und Familie warteten bereits, auf der Strecke, um mich anzufeuern. Das Laufen wurde dann allerdings zur härtesten Kraftprobe meines Lebens. Gesagt hatten mir dies bereits viele davor, geglaubt hab ich es erst im Wettkampf. Durch die Unterstützung auf der Strecke vergingen die insgesamt 226 Kilometer dann aber wie im Flug. Das einzige was mir an dem Tag neben vielen Sinneskriesen nie in den Kopf kam, war aufgeben.

Vom letzten Teil der Laufstrecke hab ich zwar ein paar Erinnerungslücken, an den Zieleinlauf, kann ich mich noch sehr genau erinnern und hätte ich noch Flüssigkeit im Körper gehabt wären mir vor Glück die Tränen gekommen. Man kann gar nicht in Worte fassen, was an diesem Tag alles in einem vorgeht.

Etwas was ich in den letzen zwei Jahren gelernt habe ist, das jeder alles schaffen kann. Das man ein Ziel erreichen kann auch wenn es noch so unerreichbar scheint, das man seine Horizonte einreißen muss um weiter Blicken zu können und das man nie Aufgeben darf auch wenn es Rückschläge gibt. Natürlich sind das alles nur Sprüche. Aber man versteht sie erst richtig wenn man es getan hat.

Um auf die Anfangsfrage zurück zukommen, ich werde von Freunden und Bekannte auch gefragt „warum tust du das“ und die einzig richtige Antwort darauf ist natürlich „weil ich‘s kann“ und das ist wie oben geschrieben auch schon das ganze Geheimnis. Nicht sich zu sagen was man nicht kann sondern genau diese Dinge einfach tun!

Benni collage