Triathlon Trainer und Coach - Bennie Lindberg
Wir können uns selber nicht verarschen!

Wir können uns selber nicht verarschen!

Als Triathlon Trainer habe ich einen ganz einfachen Einstellung zu Mentaltraining. Hier zwei  Beispiele die das Meiste schon abdeckt!

Ich nehme an dir geht es jetzt gut. Wenn ich jetzt sagen würde: Spüre mal nach wo es juckt, finden wir gleich mehrere Stellen auf unseren Körper die wir als Jucken einstufen könnten.

 

Wenn ich noch sage, konzentriere dich auf genau diesen Juckreiz,  und diese Stelle darfst du auf gar kein Fall kratzen, macht es dich schnell verrückt!  

Das ist ein Beispiel dafür wie wir viele Kleinigkeiten nicht wahrnehmen außer wir werden dafür sensibilisiert.

Ein weiteres, Beispiel diesmal geht es darum was wir erwarten oder haben möchten.

In Finnland haben Wehrpflichtige nur etwa jeden zweiten bis dritten Abend Freigang und das nur von 18.00 bis 21.00 Uhr. Es ist in dieser Zeit erlaubt Alkohol zu trinken, aber es ist nicht erlaubt betrunken zurück in die Kaserne zu kommen. Jetzt haben Forscher ein spannendes Phänomen entdeckt. Nach nur ein oder zwei Bier verhalten sich die  jungen Männer so als wären sie total besoffen. So schaffen sie es in gute 2 Stunden erstmals betrunken zu werden aber gleich danach wieder halbwegs nüchtern zu werden. Spannend waren das die jungen Männer bei der Untersuchungen alle Symptome von Vollrausch gezeigt haben aber mit niedrigen Promillewerten.

Was können wir jetzt davon ableiten für unseren Triathlon Training oder Wettkampf, ziemlich viel.

Erstens:

Wenn du nach Müdigkeit Symptome oder Schmerzen suchst, wirst du die bestimmt auch finden und deswegen einen guten Grund haben „langsamer/weniger/lockerer“ zu machen. Genau der Gegenteil ist aber auch möglich: Du kannst Hurrrraaa schreien und alle Müdigkeitssignale ignorieren bis dein Körper die Notbremse zieht.

Was kannst du machen?

Erstens musst du lernen diese Signale richtig zu deuten. Das lernst du im Training! Ein paar Intervalle laufen am 400 Meter Bahn und du weißt bald genau wie schnell du am Anfang laufen kannst und wie es sich anfühlt falls du zu schnell oder zu langsam unterwegs bist.

Ein paar Mal 200 km Radfahren, 30 km Laufen, oder 6 km Schwimmen und du lernst wie unterschiedliche Formen von Müdigkeit/Schmerzen/Energiedefizit/Überhitzen/dehydrieren etc.  sich anfühlt.

Dann brauchst du ein Wettkampfs Plan wie schnell (Tempo, Puls, Watt, Gefühl) du unterwegs sein solltest um deine Idealzeit oder Maximum Leistung zu erreichen. UND du brauchst noch eine realistische Einschätzung davon was du erreichen möchtest.

Wenn du eine bestmögliche Leistung abliefern möchtest musst du in klaren sein das es ab und zu wehtun wird und das du an deine Grenzen gehen musst aber der Grenze darf erst ½ Meter nach der Ziellinie auf dich zukommen. Du darfst auch nicht an Wunder glauben! Manchmal kann es genau so schwierig sein sich zu bremsen (speziell am Anfang von der Distanz) wie später trotz Schmerzen, nicht langsamer zu werden.  

Hier kannst du versuchen dich mit Mantras abzulenken (z.B. ich bin stark, ich bin fit, ich bin entspannt usw.) oder du wählst die harte Methode: Einfach warten das die Schmerzen irgendwann verschwinden, oft ziemlich schnell, gewöhnlicher Weise ist es ein Wellengang aber manchmal hören auch die Schmerzen erst nach den Zieleingang auf.

Wenn du nicht so fokussiert bleiben musst, also du möchtest z.B. „nur“ ins Ziel kommen ohne Zeitvorstellungen (was ja auch in sich eine riesen Leistung ist) kannst du versuchen dich abzulenken, die Landschaft genießen, mit andere Mitbestreiten quatschen, dich an den Zuschauern dich freuen, praktisch Alles wäre möglich, und BÄM nach 12,13,14,15 Std. erreichst du dann „plötzlich“ das Ziel.

Zweitens:

Egal was für  Mentaltraining wir machen oder nicht machen der Physische Training vorher müssen wir durchziehen. Du musst selber daran glauben dass du alles richtig gemacht hast und dass du genug gemacht hast um deine Ziele zu erreichen.

Das ist auch ein Grund warum die Leistungsmauer (z.B. Ironman 8 Std.) erst so schwer zu brechen sind, später aber einfacher ODER z.B. bei Olympia, WM, EM wenn der erste Erfolg oder Medaille da ist kommt das Selbstvertrauen wieder und plötzlich ist Alles wieder möglich.

Das brutale an der Sache ist: Wir können uns selber nicht verarschen!

Wenn du nicht selber daran glaubst das du alles richtig gemacht hast, also du DENKST du hast zu wenig oder zu locker trainiert, oder du bist nicht sicher ob das Trainingskonzept richtig ist, dann wird es deutlich schwieriger in ein Wettkampf wenn das „Jucken“ anfängt es einfach zu ignorieren.

Es ist hier wie das Alkohol bei den Finnischen Rekruten. Wenn du selber Überzeugt bist das 4 Std. Training pro Woche dich sicher ins Ziel beim Ironman bringen kann, dann wirst du es auch so schaffen vielleicht sogar im imaginären Vollrausch!