Triathlon Trainer und Coach - Bennie Lindberg
Coaching – Veränderungen, früher und heute?

Coaching – Veränderungen, früher und heute?

Was mir immer erstaunt ist unser Wunsch für Veränderung. Ich glaube sogar es ist ein Grundbedürfnis für uns Menschen! Ohne Veränderungen gibt es keine Fortschritte.

Fortschritte sind selten gleichmäßig. Oft passiert eine lange Zeit gar nichts, trotz Veränderungen und dann plötzlich werden deutliche Fortschritte gemacht und das eher willkürlich, es folgt keine Regeln.

In Sport ist es ähnlich. Es gibt ständig Veränderungen, schon jedes Jahr sind die Hersteller gezwungen die Produkte zu ändern auch wenn die schon perfekt waren. Ganz ehrlich was kannst du von Jahr zu Jahr am Radschuhe verbessern, verändern ja, aber verbessern, eher selten!

 

Was ist mit Coaching?

Seit es Olympischen Spiele gibt haben die Menschen experimentiert und Veränderungen gemacht, getestet und versucht, mit größere und kleinere Erfolge.

Hier stand der Mensch immer im Mittelpunkt. Passt es? Wie fühlt es sich an? Ist es durchführbar? Schnell hat man auch die Verschiedene Trainingsformen herausgefunden, erst extensives gehen und dann kurz Laufen im WK-tempo (Paavo Nurmi), dann extensive Intervalle (Emil Zatopek), Arthur Lydiard hat eine Art von bipolares Training gemacht mit viel Umfänge und ein Art von HIIT Training (Sanddunes training und 200er Intervalle) und das war nur der Laufsport im Kurzformat! Es gibt noch enorm viel Wissen und Erfahrungen in Radsport, Schwimmen, Langlaufen, Rudern usw.  

Erst in der 60er, 70er haben die Trainer und Athleten angefangen zu messen und gleichzeitig zu wissen was wirklich in unsere Körper passiert. Man hat Muskelproben genommen, Laktatwerte analysiert, Pulsfrequenzen studiert etc. Die Ergebnisse sind manchmal besser geworden und diese Trainingsmethoden haben sich durchgesetzt.

In die 80er war schon extrem umfangreiche Leistungsdiagnostiken gang und gäbe. Nicht nur Atemgasanalyse und verschiedene messbare Faktoren wie z.B. Bodenkontaktzeiten auch tragbare Pulsmesser und sogar Wattmessung am Rennrad entstand alles schon  in den 80er.

Sogar noch in den 90er haben die Leute dich komisch angeschaut wenn du über aerobe und anaerobe Schwellen, Bodenkontaktzeiten, EMS, Herzfrequenzen, Varianz, RQ und Watt gesprochen hast, heute ist es schon Alltag aber eine kleine Unterschied macht sich für mich bemerkbar.

Die Trainer die in den 80er und 90er gecoacht haben,  für denen war der Mensch immer das wichtigste. In Trainingslager hat mein Coach uns nie Trainingspläne gegeben. Er wollte uns erst in der Früh in den Augen schauen und sehen wie es uns geht! Erst DANN ist der Technik zum Einsatz gekommen.

Wir müssten lernen hart zu sein!  Du hast es in deiner Hand wie du dir dein Training aufbauen kannst! Wir haben gelernt es muss nicht viel sein aber es muss gnadenlos regelmäßig sein. Kein Bock, kein Lust, Motivationsprobleme diese Wörter gab es nicht! Wie soll ich sonst sinnvoll mein Training aufbauen? Schlechtes Wetter habe ich in meine aktive Karriere höchstens 2-3 Mal erlebt wo Training unmöglich war. Keine Zeit? – immer war es eine Fehlplanung oder dann müssten die Prioritäten neu überdacht werden.

Jetzt sehe ich als Coach das alles was es schon gab, wieder kommt! Aber… neu verpackt, so dass es besser schmeckt. Aber in Grunde 1:1 die alten Sachen, nur etwas aufgepeppt. Hier wird etwas an die Intervalle und Intensitäten geschraubt und alles sexy und spannend verpackt.

Heutzutage gibt es fast jedes Jahr neue Trends und neue Workouts. Jedes Jahr kann man sein Training noch etwas mehr und genauer analysieren und messen.

Verstehe mich nicht falsch! Ich finde moderne Messtechniken und Analysemethoden super gut! Viele Modesportarten haben erfolgreich alte Trainingsmethoden neu aufleben lassen. Das motiviert und öffnet die Türen für viele Menschen um Sport zu treiben. Virtuelle Trainingsplattformen stellt dein geleistetes Training übersichtlich da  und es ist alles fantastisch. NUR wenn du Höchstleistungen anstrebst darf es nicht zum Selbstzweck werden.

Traditionell hat man in Sport gelernt das harter Arbeit Erfolg bringt! PUNKT. Wir haben damals daran gearbeitet selber Maschinen zu werden (…verdammt, brutale, scharfe Maschinen sage ich nur..) und haben der Technik benütz als Unterstützung.

Das ist immer noch eine BOMBEN sichere Art Weltklasse zu erreichen.

Irgendwann habe ich gesagt: Lass das Wetter nicht dein Training bestimmen. Du bist in Kontrolle und es ist immer leichter in schlechtes Wetter zu trainieren als ständig den Plan wegen das Wetter zu ändern und danach den Plan anzupassen. Das wird sehr schnell zum Kuddelmuddel.

Wo Athleten heutzutage aufpassen müssen ist generell in Kontrolle zu bleiben. (Wenn das Ziel ist sein sportliches Potential zu erreichen.)

Trainingsplattformen und tragbare Trianingscomputer suggerieren totale Kontrolle aber letztendlich zeichnen die nur das auf was du machst, und das steuerst immer noch du!

Das Training können wir heutzutage wirklich umwechslungsreich machen aber wenn du ständig von ein Reiz zum nächsten Wechselst ist es fast unmöglich zu steuern wohin die Entwicklung geht!

Meine Empfehlung lautet darum immer: Werde selber zum Maschine und baue ein Umfeld auf wo du nach deine Prioritäten mit möglichst wenige Kompromisse und möglichst viel Kontrolle dein Training machen kannst.

Hört sich leicht an, aber auf Dauer, (nicht ein Monat, nicht ein Jahr, eher mehrere Jahre) ist es hart und unbequem! Das meistern letztendlich nur die Erfolgreichen!